Der Bergmannkiez ist eine Institution und ein ganz besonderes Idyll, wenn man weiß, wo man es zu suchen hat. Seit Anfang des Jahres hat die schönste Straße des Kiezes einen Neuzugang, der uns alle an Zirkus denken lässt: das Two Trick Pony hat sich eingenistet und geht hoffentlich nie wieder weg. Heute treffen wir einen der zahmen Gründer des neuen Cafés: Jason Starmer, der uns mehr über das schöne Pferdchen erzählen wird.

Die Bergmannstraße ist nicht Jedermanns Ding und auch nicht zwanghaft meines. Und das obwohl sie wirklich schön ist: umsäumt von Gründerzeitbauten platzt sie vor Restaurants, Cafés und allerlei verrückten kleinen Läden. In gewisser Weise teilt sie sich aber auch in zwei Teile auf und die Mitte beider Teile bildet eigentlich die Marheinekemarkthalle. Es gibt den Teil, der von der Markthalle Richtung Mehringdamm verläuft: hier haben wir viele Cafés, Restaurants, aber eben auch viele Ketten, Läden, die einfach laufen, weil so viele Touris die Bude stürmen. Nicht richtig viel besonderes. Die andere Hälfte der Straße ist jedoch ein Idyll. Sehr verkehrsberuhigt mit wunderschönen Riesenbäumen und kaum Touristen verlaufen sich hier her. Folgt man der Bergmannstraße weiter, spaziert man vorbei an einem der schönsten und ältesten Friedhöfe der Stadt und zahlreichen Geheimtipps, die eine Reise absolut wert sind! Unter anderem findet man unter diesen Geheimtipps seit Februar diesen Jahres eben das Two Trick Pony.

Jetzt fragen sich manche von euch sicherlich: Halt warte mal, Februar… War da nicht was? Und oh ja! Es gab da ja diesen Lockdown und das nur ein paar Wochen nach der Eröffnung des schönen Ponys.

Ich frage Jason, wie sie das eigentlich geschafft haben: ich meine, man findet einen schönen Platz, renoviert diesen monatelang, baut um, streicht, kauft, denkt, kocht, backt- vollmotiviert durchzustarten und dann? Türen zu. Wie bleibt man da optimistisch?

 

Jason erzählt, dass sein Mann, der der zweite Inhaber des TTP ist, und er vor der Anmietung in eine billigere Wohnung gezogen sind, weil sie einfach nicht genau wussten, wie sich alles entwickeln würde (weise Entscheidung!) und dann sagt er etwas ganz Schönes, nämlich:

Ich glaube, wir haben durch Corona, naja ich kann nicht sagen profitiert, aber irgendwie hat uns das schon einfach viel Positives gebracht.

 

Ui! Spannende Aussage. Er erklärt mir genauer, dass durch diese spezielle Anfangszeit, in denen aus dem TTP nur aus einem der schönen großen Glasfenster verkauft wurde, sie einfach ganz nah an ihre Kunden ran gekommen sind. So viele Leute, vor allem aus dem Wohnhaus, in dem das TTP liegt, seien fast jeden Tag vorbeigekommen, haben Kaffee und die berühmten Breakfast Sandwiches aus dem Fenster gekauft und so Jason und seinem Mann Mut gemacht. Dass die Nachbarn die beiden mit ihrem Café unbedingt in der Nachbarschaft behalten wollen ist offensichtlich (im Übrigen gehöre auch ich zu dieser fabulösen Nachbarschaft): eigentlich sind immer alle Tische voll. Denn jetzt, wo man draußen vor dem TTP unter Bäumen sitzen kann, die mindestens doppelt so alt sind, wie man selber, wird einem die Schönheit dieses Ortes und auch einfach des Straßenabschnitts nochmal mehr bewusst.

 

Leider kann man gerade noch nicht so gut drinnen sitzen, denn der Laden ist so schön – dass es dich von den Socken haut. Ein angenehm kühlendes Blaugrün an den Wänden mit ganz viel Weiß, Spiegeln und total verrückten Lampenkreationen aus Neonröhren und geometrischen Formen. Dazu der Tresen, hinter dem immer fleißig gewerkelt wird.

Wir haben aus der Corona-Situation so viel Positives gezogen!

Im TTP gibt es hervorragenden Kaffee, super leckeren frisch gepressten Pink Grapefruitsaft (nachdem das Schwarze Café diesen abgeschafft hat, endlich wieder eine neue Quelle – juhu!) und auch ganz tolle Cocktails und Naturweine. Außerdem habt ihr mit Jason und seinem ersten Küchenchef Nathan wahre Größen an Töpfen und Pfannen: die beiden haben jahrelang in London zusammen im Moro gekocht und dort neue kreative Gerichte kreiert. Was Jason ganz wichtig ist, ist dass sie sich nicht auf einen speziellen Stil bezüglich der Gerichtauswahl beschränken. Für viele Menschen ist das ja immer einfach: gehen wir italienisch essen oder doch vietnamesisch? Das TTP passt in keine Schublade. Es ist schlichtweg zu vielfältig.

Wenn man eine große Schublade aufmachen müsste, dann wäre das wahrscheinlich am ehesten die pan-europäische, aber noch besser ist diese Schublade: Wir kochen einfach was richtig gut schmeckt (stimmt!). Darauf kann man bei Jason und seinem Team definitiv vertrauen. Während der Aus-dem-Fenster-Verkaufs-Zeit musste das Team ziemlich flexibel seine Gerichte nochmal verändern und überdenken: was kann man gut in to go Boxen packen und aus denen auch essen? Welches Essen eignet sich überhaupt dafür, zum Mitnehmen verkauft zu werden? Gar nicht so einfach sich dann so auszurichten.

Das Feedback und die positive Energie der Kunden war aber immer sehr wertvoll für das ganze Team.

Wohlbemerkt sitze ich ungefähr drei Stunden am Tisch, probiere mich durch und die meisten Gäste tun es mir gleich: sie bleiben lange und fühlen sich wohl.

Und dafür ist das TTP definitiv ideal: sitzen, gucken, trinken, essen. In Zukunft werden sich wahrscheinlich auch die Öffnungszeiten in beide Richtungen ein bisschen verlängern und das Weinangebot wieder größer werden, damit man auch mal bartechnisch ins TTP gehen kann. Vielleicht dann auch in Kombination mit kleinen Speisen, die man häppchenweise dazu bestellen kann.

 

Aktuell gibt es im TTP eine brunchähnliche Karte, auf der man sowohl Birchermüsli als auch Eggs Benedict finden kann. Alle Gerichte sind hervorragend und schmecken fantastisch. Auch optisch sind sie himmlisch und es sind viele bekannte Kooperationspartner mit an Bord. So zum Beispiel Albatross oder The Sausage Man never sleeps. Ich freue mich. Ich liebe ja Albatross. Am besten schmeckt mir allerdings ein polnisches Gericht: angebratene Kartoffelknödel mit Sauerrahm,Fischrogen und Dill. Ich habe ewig keinen Kaviar mehr gegessen, weil ich das eigentlich nicht mache, aber im TTP sind es nur Spuren, die auch für mich vertretbar sind und es ist suuuper lecker.

Irgendwie fühle ich mich total dankbar. Seit Ewigkeiten habe ich immer wieder versucht in der Bergmannstreet ein schönes Wohlfühlcafé zu finden, aber so richtig fündig wurde ich nicht. Jetzt schon! Das zweitrickige Pony ist da – juhu!

Wir machen einfach Küche, die richtig lecker ist.

Info

Two Trick Pony

Website

Adresse:
Bergmannstraße 52
10961 Berlin

Öffnungszeiten:
Mo geschlossen
Die – Do 10:00 bis 18:00 Uhr
Fr -So, sowie Feiertage 10:00 – 19:00 Uhr


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