Unsere heutige Neuvorstellung ist ein echtes Schmankerl, wie man in Bayern sagen würde und ein richtiger Geheimtipp, wenn wir sprachlich doch in Berlin bleiben wollen. Das the NOname Restaurant ist noch nicht so bekannt und dabei eine echte Perle, wenn es um casual fine dining geht. Warum wir euch einen Besuch dort strengstens anraten, erfahrt ihr beim Gespräch mit Inhaberin Janina Atmadi und meinen Schwärmereien, der grandiosen Küche und Drinks. Los gehts!

NO boundaries, NO limits, NO name – prangt groß auf der Startseite des the NOname restaurants in Berlin Mitte und auch im Eingangsbereich des Restaurants sind diese drei Schlagwörter integriert. Wir treffen heute Mitinhaberin Janina Atmadi, die zusammen mit ihrem Lebenspartner das the NOname restaurant betreibt. Janina wirkt quirlig, sehr frei und erzählt gleich am Anfang, dass es für sie beim Kreieren des Konzepts des the NOname ganz wichtig war, einen Ort zu schaffen, an dem man ganz frei sein darf. Ein Ort, an dem man sich als Gast fallen lassen kann und muss. Eine gewisse Sinnlichkeit steht beständig im Raum und interpretiert den Bereich des fine dining komplett neu, ohne zu casual zu wirken.

Viel mehr geht es darum, dass Menschen zum Essen kommen, die Lust haben, sich auf etwas Neues einzulassen.
Nur so, und da sind Janina und ich uns absolut einig, kann man sich komplett auf das wahre Erlebnis einlassen. Außerhalb der Komfortzone.

 

Das ist mittlerweile gar nicht mehr so einfach. Die Großstadt macht alles möglich und wirklich fremd ist dem echten Berliner nichts mehr. Überall ist es neu, mutig und wild. Trotzdem schaffen Janina und ihr Team einen ganz neuen Raum für Ideen, die viele von euch vielleicht nicht in Mitte, in der Oranienburgerstraße vermuten würden. Einen Raum der Sinnlichkeit, des Betörens, gewürzt mit einer gewissen Prise Kink. Diese Mischung macht das the NOname so aufregend.

 

War doch die Oranienburgerstraße früher lange nicht so edel und schick wie heute. Vielmehr war sie  ein Treffpunkt für Erotik, findet sich doch das  Künstlerhaus Tacheles gleich nebenan. Ein Ort voller Kreativität, Freiheit und Eigensinn. All diese unterbewusste Grundstimmungen fängt das the NOname ein und vermischt sie zu etwas Neuem, das sich sehen lassen kann.

Das Lokal befindet sich inmitten der Heckmannhöfe. Mit einer schönen Terrasse, die nach vorne hinaus reicht, kann einem beim Eintreten gut und gerne einmal der Atem wegbleiben: Meterhohe Räume, verkleidet mit langen weißen Vorhängen und dazwischen blitzen goldene Säulen hervor. Ein hölzernes Wandregal mit Spirituosen aller Art, das bis unter die Decke reicht, und der wohl schönste Stuck, den ich seit Langem gesehen habe. Dazwischen ein Ensemble an kleinen, eleganten schwarzen Tischen, jeder mit eigener Tischbeleuchtung und alles fühlt sich sehr versteckt, privat und geheimnisvoll an.

 

Die Blicke beginnen zu wandern und bleiben am Highlight im hinteren Bereich des Lokals hängen: Eine riesige Street-Art-Kunst von Murales zeigt eine überlebensgroße Frauenfigur von den Oberschenkeln aufwärts mit wahrscheinlich dem schönsten Po weit und breit in einer verwobenen Fesselungstechnik aus Seilen, die aus der Wand herausragt und an der gegenüberliegenden Ecke endet.
Mein Fazit ist klar: Das Wandbild ist mal richtig cool, vor allem, wenn es schillernd angeleuchtet wird oder in einer Mitte aus Blumen aller Art erstrahlt. Da haben Murales volle Arbeit geleistet und dem Raum seine ganz besondere Note verliehen.

 

Janina zeigt mir außerdem noch den Secret Table – ein kleiner extra Raum, der für eine Gesellschaft von bis zu zehn Leuten im Sinne einer geschlossenen Gesellschaft ausgerichtet ist. Spätestens wenn man dies bald mit gutem Gefühl und Gewissen wieder machen kann, sollen hier auch Events stattfinden. Kleine Konzerte, sinnliche Lesungen und Darbietungen aller Art, auch hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Passender könnte ein Raum nicht sein, mit seiner charmanten Ausstrahlung und so handbemalt wirkt er äußerst elegant. Lange dunkle Holztafeln, wunderschöne Stühle und die Decke ist geschmückt mit Hunderten Löffeln.

By the way, wen überrascht es, dass auch die Toiletten extrem stylisch sind? Die zu entdecken überlasse ich euch aber mal selbst.

Nun aber zum wichtigsten Punkt: Der Küche! Seit Neuestem steht der vormalige Sous-Chef Vicenzo Broszio am Herd, der wohlbemerkt fast meinem Jahrgang entspricht und davor schon im eins unter null gekocht hat (lässig). Bei theNOname hat er jetzt endlich seine Freiheit, die er immer wollte, und kann sich ausprobieren und kulinarisch komplett austoben. Das beste Beispiel erzählen mir Janina und Vicenzo gleichermaßen und unabhängig voneinander die Geschichte mit der Seeteufelleber. Nach Janina würde niemand hier in Deutschland freiwillig Seeteufelleber bestellen, einfach weil man das hierzulande nicht kennt. Da wird so mancher Gast wahrscheinlich zunächst eher skeptisch sein, was diesen Gang angeht. Auch mir erscheint es auf den ersten Blick erstmal gewöhnungsbedürftig.

 

Aus Vicenzos Sicht sieht die Geschichte in etwa so aus, dass er bei seinen vorherigen Stellen immer sehr nach Menü und nach Plan kochen musste und ihm das irgendwann zu langweilig war. Als junger Freigeist, der er nun mal ist, reizen ihn besonders Zutaten, die bei uns überhaupt nicht genutzt werden oder aber in unverarbeitetem Zustand eventuell nicht dem typischen europäischen Geschmack entsprechen. Er erzählt mir zum Beispiel über Wagyu Beef, das einfach in jedem Zustand, mag er auch noch so roh sein, fantastisch und edel schmeckt. Dann kommt Vincenzo aber mit der Seeteufelleber um die Ecke (oder mit dem Kalbshirn) und erklärt, wie man eigentlich ein Gericht aufbaut, was man zuerst schmeckt, wann wie welcher Geschmack wie lange im Mund bleibt und wie das dann möglichst ein rundes und spannendes Gefühl ergibt und auch, was man eigentlich mit einer Seeteufelleber so alles anstellen kann, was er nicht lecker fand und was dann aber doch nach vielen Versuchen fantastisch wurde. Da gehen wir mal nicht zu sehr ins Detail.

 

Feststeht: Vicenzo und sein Team funktionieren herausragend. Die Küche im TheNOname ist unglaublich kreativ und zugleich exquisit und speziell und zwar egal ob man sich mit der vegetarischen oder dem nicht vegetarischen Menü-variante auseinandersetzt.

 

Mein favorisierter Gang ist eine wahre Bombe aus Umami: ein Bett aus Shiitakepilzcreme mit Lauch, darüber Sesam-Shiitake Pilze mit Macadamia-Creme und Lauchchips on top – eine wahre Offenbarung und ein wahnsinnig interessanter Gang! Weiterhin kann ich diesen Artikel nicht stehen lassen, ohne das Dessert zu erwähnen: ein Sorbet aus Sellerie, darauf Erdbeer-Fruchtpapier, Fichtensprossen, Waldmeister und Zitrone – ein himmlisches Dessert mit einer Kunstfertigkeit, die ich lange nicht gesehen habe! Broszio glänzt, wunderschön zu sehen, was aus einem so jungen Kopf alles so heraussprudeln kann und wie cool man das verpackt: nämlich in ein Team aus ganz diversen Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen und alle in Harnesses gekleidet, wahnsinnig aufmerksam und warmherzig, die mir einen wunderschönen Abend zaubern.

 

Nicht zu vergessen ist hier der Sommelier Steve Hartzsch, der das Weinpairing übernimmt und unglaubliche Geheimtipps parat hat. Am meisten fasziniert er mich aber an diesem heißen Sommerabend mit den alkoholfreien Varianten, die er selbst kreiert und in denen man Zutaten wie gelbe Beete, Krübiskernöl oder Grapefruit findet und die allesamt sehr spannend schmecken!

 

Achtung Suchtgefahr warnt mich Steve und wie Recht er hat! Ich komme bald wieder, vielleicht ja auch zum Business-Lunch mit drei Gängen, das es jetzt auch seit Kurzem im the NOname gibt. Hier herrscht schon jetzt pure Begeisterung.

Info

The NOname Restaurant

Website

Oranienburgerstraße 32
10117 Berlin

Tel
030 288 777 88

Öffnungszeiten:
Di – Sa 12:00 – 22:00 Uhr
Mo u So geschlossen

Oranienburger Straße 32, Berlin, Deutschland

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