Kein Bäckereiprodukt steht so sehr für Berlin wie der Berliner Pfannkuchen. Bei uns im Süden nennen wir die ganze Sache eher Krapfen, dann heißt er öfters auch Berliner oder in Chile zum Beispiel Berlines Chilenos. Ihr seht es, überall ist der runde Teigball bekannt und beliebt. Nur hier bei uns scheint er so langsam von seinen amerikanischen Verwandten, den Donuts, abgelöst zu werden. Warum ist das so und was können wir tun?

Das besprechen wir heute im Sugarclan im Friedrichshain mit Britta.

Der Sugarclan ist ein kleines Café direkt am Boxhagener Platz und wer schon einmal daran vorbeigelaufen ist, kann sich sicher an ihn erinnern, denn: Das schöne Schaufenster des Ladens lässt einen erstens direkt in die Backstube blicken und zweitens ist die Auslage eine wunderschöne Holzkiste, in der sich alle möglichen Varianten der Berliner Pfannkuchenfamilie tummeln und sich von ihrer besten Seite zeigen wollen.

Wir treffen heute Britta, Mitbegründerin des Sugarclans und sie erzählt, dass der Clan des Sugarclans aus drei Familienmitgliedern besteht, die schon immer eine Vorliebe für regionale Spezialitäten hatten und haben. Man kennt das ja: wir sind auf Reisen irgendwohin und dann wird natürlich recherchiert, was gibt es denn für regionale Spezialitäten und wo kann man die am besten probieren? Wieder in Berlin fragten sich die Drei, wo man eigentlich am besten die Berliner Spezialität, den Berliner Pfannkuchen probieren kann und fanden keine wirkliche Lösung.

Dabei hat der Pfannkuchen eine uralte Tradition und es ist unklar, wo er zum ersten Mal in warmem Fett ausgebacken wurden. So ranken sich so einige Legenden darum, wo wie und von wem genau das gewesen sein soll. Ungeachtet seiner langen Geschichte und Tradition, ist es heute bei uns in Berlin schwierig einen leckeren Pfannkuchen zu bekommen. Wird er doch eigentlich nur noch industriell gefertigt und gefüllt und dann in Großbäckerein verkauft. Und wer mich kennt, weiß, was für eine Abneigung ich gegen industrielle Backwaren hege, denn: was da den Teig aufbläst, enthält einfach alles andere als nur Hefe.

Die Familie des Clans hatte also die zündende Idee und eine große Vision, die Parole: Rettet den Berliner Pfannkuchen! Lies die Drei nicht mehr los und sie machten sich auf die Suche nach dem perfekten Teigrezept und begannen die ersten Füllungen auszuprobieren.

Dabei ist Britta ganz wichtig zu betonen, dass sie so nachhaltig und regional, sowie so saisonal wie möglich einkaufen und produzieren. Wir lernen von einem Backwaren-Großhändler, bei dem es alles gibt: von Einrichtung bis Mehl, von industriellen Backtriebmitteln bis Lebensmittelfarben, die eigentlich nur aus E’s bestehen. So nicht beim Sugarclan! Das Mehl kommt ganz aus der Nähe, die Füllungen sind alle handgemacht und ohne Zusatzstoffe und jeder Pfannkuchen ist ein handgemachtes Unikat.

Da muss man manchmal schon um zwei Uhr nachts anfangen die Teige anzusetzen, wenn zum Beispiel die Saison gerade nach Pfannkuchen schreit wie an Karneval oder Fasching, wie man im Süden sagt.

Gleich zu Beginn des Projekt hat der Clan auch die Bäckerinnung auf seine Seite geholt. Die fand das ganze Projekt natürlich total toll (wir übrigens auch), denn wenn das hier so weiter geht, dann können wir bald nur noch Donuts oder eben Industrie-Pfannkuchen kaufen und letztere mag ich einfach nicht.

Beim Sugarclan geht es um mehr: es geht um Handarbeit, um ganz viel Teamstärke und vor allem auch um ganz viel Humor.

Rettet den Berliner Pfannkuchen!

Als einmal die ganze Füllung beim Reinbeißen in den Pfannkuchen auf das T-shirt des Gegenübers explodierte, überlegte sich der Clan zukünftig die Seite, auf der sich das Füllungs-Loch befand, mit einem Pfeil auf der Oberseite des Pfannkuchens zu kennzeichnen. Eben damit man genau weiß, wo angebissen werden muss, damit nicht die ganze Füllung auf der anderen Seite rauskommt.

Wir beißen dank Pfeil intuitiv an der richtigen Stelle rein. Ich mag diesen Witz und diese Leichtigkeit beim Backen oder überhaupt dieses Quatschmachen bei einer Sache, die man meistens viel zu ernst nimmt: Die Arbeit, dein eigenes Unternehmen, sowas. Ich mag diese kindliche Unbefangenheit und ich kann mir großartige Kreationen vorstellen, die bei Halloween auf uns warten werden. Das wird lustig und gruselig zugleich – so viel ist klar!

Wir probieren verschiedene Pfannkuchen in kleinen Größen aus, denn viele gibt es in einer großen und in einer kleinen Größe, damit man mehr probieren kann.

Unsere klaren Favouriten Stücke sind der Apfelstreusel: ein weiß glasierter Pfannkuchen mit leckeren Butterstreuseln oben drauf und drin ist eine köstlich süß und saure Apfelfüllung ummantelt von Hefeteig. Mhhhhh! Außerdem mögen wir sehr gerne den Klassiker mit Zwetschge drin. So lecker habe ich Zwetschgenmus oder eher Kompott noch nie gegessen – so gut!

Es gibt aber noch viele Varianten mehr und für die Donut-Süchtigen unter euch gibt es auch diese. Beinahe alles wird im Sugarclan selbst gemacht außer mal ein Oreo Keks, der oben drauf liegt, und das ist wirklich eine Menge Arbeit, dann da türmen sich auf den Pfannkuchen Dinge wie sizilianische Cannoli, kleine Macarons oder diverse getrocknete Früchte.

Toll und auf jeden Fall sehr unterstützenswert, diese kleine Backstube. Wir kommen spätestens wieder, wenn es den meinerseits heiß ersehnten Orange-Spekulatius Pfannkuchen gibt: mit selbstgebackenem Spekulatius oben drauf und da der wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen wird, sehen wir uns sehr bald wieder, süßer Sugarclan!

Info

Sugarclan

Website

Grünberger Straße 85
10245 Berlin

Tel. 030 275 977 99

Öffnungszeiten:
Mo u. Die geschlossen
Mi bis Fr 12:00 – 19:00 Uhr
Sa u. So 11:00 – 19:00 Uhr

 

Grünberger Straße 85, Berlin, Deutschland

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