Sake trinken unter der Woche an einem Donnerstag um 14 Uhr klingt für euch nach etwas, das man besser nicht machen sollte? Oh doch! Ich wage mich heute weit nach vorne in die tiefen Geheimnisse der japanischen Kühlkammer und Sakekultur und nehme euch mit zu einem leicht beschwipsten Treffen bei den Sake-Profis in Kreuzberg. Welcome zu Sake 36!

Sake hat ja in Deutschland ein etwas verschrobenes Image, muss man ehlicherweise sagen. Entweder man ist der totale Japan-Geek und kennt sich wie selbstverständlich auch mit Sake aus oder aber man denkt, es wäre ein chinesischer Reisschnaps, der immer als gratis Digestivo in Restaurants ausgeschenkt wird. Dass die eher kleine Gruppe an Menschen hierzulande, die Sake gerne trinken und auch schätzen, dem tollen Reiswein überhaupt nicht gerecht wird, beweist jetzt nicht zuletzt ein neuer Laden in Kreuzberg.

 

Bei Sake 36 zelebrieren Max Fritzsch, Laura Käding und Richie Hawtin in einem wunderschönen Ladengeschäft verschiedene Flaschen von den besten Brauereien Japans und wollen euch für den Sake begeistern.

Angefangen hat für Max eigentlich alles, als er während seines Studiums ein halbes Jahr in Osoka leben durfte und sich Hals über Kopf in die japanische Lebensart verliebt hat – wie wir wissen, geht es uns da ganz gleich, Max und mir. Als er wieder zurück in Deutschland war, hat er mit der Zeit einen immer größeren Wunsch nach Selbstständigkeit in seinem Beruf entwickelt und nach Produkten gesucht, die er aus Japan nach Deutschland importieren und weiterverkaufen könnte. Nach Überlegungen von Esstäbchen und Tatamimatten landete er schließlich beim Sake und baute seinen eigenen Onlinehandel auf. Als er 2017 Richie und Laura kennenlernte, waren die Drei sofort auf einer Wellenlänge, denn Richie hatte bereits seine eignen Sake Marke enter.sake gegründet und auch Laura war begeistert von der japanischen Sake-Kultur.

Es ergibt sich eigentlich geradezu zwangsläufig, dass alle drei sich Schritt für Schritt mehr beruflich annähern. Zuerst teilten sie sich den Kühlcontainer aus Japan, dann ein gekühltes Lager und jetzt einen wunderschönen Verkostungsstore und eine unterirdische Kühlkammer. Ihr versteht nicht, warum ich so viel übers Kühlen spreche? Dann müssen wir nochmal zurück zu den Basics des Sakebrauens. Der meiste Sake muss kühl gelagert werden, weil er nicht pasteurisiert ist und dadurch immernoch ein bisschen weiter fermentiert. Da dass in wärmeren Temperaturen vor allem und schneller passiert, wird in Japan Sake immer gekühlt transportiert. Hier setzt eine große Besonderheit des Sake 36 an, denn kein anderer Importeur in Deutschland transportiert den Sake durchweg in einer Kühlkette, die vier Grad nicht überschreitet.

 

Max erzählt mir dazu eine lustige Anekdote. Als er begonnen hatte verschiedene Sake-Brauer in Japan zu kontaktieren und zu fragen, ob sie einverstanden wäre, wenn er ihren Sake nach Deutschland importiert, hatte ein Brauer gefragt, ob es ihm etwas ausmachen würde, wenn er ein kleines Thermometer, das automatisch die Daten aufzeichnet, mit in die Fracht legen würde. Sich seiner Kühlkette sicher, hatte Max damit kein Problem und beim Auslesen der Daten düften selbst die perfektionistischsten Japaner eine wollig glückliche Wärme verspürt haben, denn die Temperatur der Fracht betrug wirklich immer maximal vier Grad.

Deshalb hat das Trio von Sake 36 auch das Alleinstellungsmerkmal sehr viele sehr hochwertige Sake Brauereien in Deutschland vetreten zu dürfen, weil die Qualität auch über den langen Transportweg gewährleistet wird.

 

Ich probiere mich ein bisschen durchs Angebot. Zuerst versuche ich einen Senkin Modern Muku, der aus der Nähe von Tokio kommt. Von einem jungen Sake-Meisten Anfang dreißig gebraut und mit großer Hingabe ab Regionalität, besticht dieser Sake durch seine frische Fruchtigkeit, die eigentlich für Sake eher ungewöhnlich, sondern eher weintypisch ist. Das liegt daran, dass der Braumeister des Senkin in Frankreich den master of wine erlangt hat und dann als er wieder zurück in Japan war, versucht hat, einen Sake zu brauen, er auch etwas von Wein in sich trägt. Ich finde: sehr gelungen!

Als nächstes probiere ich einen Alpha 3 Kaze no mori, der mir persönlich sehr sehr gut schmeckt. Noch leicht prickelnd entfaltet er ein wahnsinnig reiches Bouquet an Geschmack und schmeckt noch lange angenehm hefig nach. Der Kazo no Mori (übersetzt: der Wind des Waldes) kommt aus der Nähe von Nara, der Geburtsstätte des Sake, wie Max mir erklärt und ist nur einmal pasteurisiert, weswegen er noch sehr aktiv prickelt und sich weiter verändert, je länger man ihn lagert.

Was ich an Sake mag ist, dass er so unvergleichlich ist. Man trinkt ihn kalt, man trinkt ihn warm. Er hat ungefähr so viel Alkohol wie Wein und schmeckt aber trotzdem ganz anders und man trinkt ihn in sehr viel kleineren Gefäßen als den üblichen Weingläsern. Unbestritten ist Sake ein grandioser Begleiter zum Essen und auch das will Sake 36 mehr in der Welt verbreiten.

 

So bietet es sich an, dass die Drei in ihrem Tastingroom, wie sie es nennen, auch verschiedene Verkostungen veranstalten, an denen dann zu jedem Sake ein entsprechendes Häppchen gereicht wird. Bei den Häppchen liegt der Fokus auf Regionalität und Saisonalität, um zu beweisen, dass Sake ganz hervorragend auch zu deutschen Klassikern wie Matjeshering passt. Gerade sind persönliche Tastings ja leider nicht möglich, weswegen ab demnächst online Tastings angeboten werden. Dann kann man sich im Shop ein Tastingpaket kaufen und erhält per Zoom die verschiedenen Informationen zum jeweiligen Sake. Finden wir eine hervorragende Idee!
Außerdem wird es in Zukunft hoffentlich auch wieder Kooperationen mit verschiedenen Gastköch*innen geben, wie es zum Beispiel mit dem Team von Mani in pasta schon der Fall war.

Für den November war eigentlich auch eine Kollaboration mit dem Nobelhart geplant. Diese wurde aber erst einmal in den Dezember verschoben.

 

Sake erobert die Welt und ihr könnt dabei sein! Macht euch schnell los für eine Flasche und wenn ihr Glück habt, kommt ihr gerade Recht zur Einführung des Sake-Stollen, den es schon sehr bald geben wird. Stollen mit Sake-Rosinen?! Ihr wisst, wo ihr mich finden werdet…

Info

Sake 36

Website

Reichenberger Straße 39
10999 Berlin

Öffnungszeiten:
So – Die geschlossen
Mi – Sa 14:00 – 20:00 Uhr


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