Es ist immer noch Winter, es ist immer noch kalt, immer noch grau, immer noch regnet es und Berlin tristet dunkel vor sich hin. Die kalte Jahreszeit in der betonierten Großstadt ist keine einfache Zeit, so viel ist sicher. Um sie zu überstehen, braucht es wärmende Gerichte, die den Bauch füllen und die Essenden glücklich machen. Wie heißt das gleich? Comfort food? Meine deutsche Nostalgie zieht mich zu warmen Spätzle mit Käse. Und – wer hätte es gedacht – die besten davon gibt es doch glatt bei mir um die Ecke im schönen Peter Schlemihl am Chamissoplatz.

Den Peter Schlemihl, den gibt es schon länger im schönen Kreuzberg. Seit 2016 werden hier bereits eifrig Spätzle gerieben und Sonntagsbraten geschmort. Und Freitags kommen traditionell Forellen in die Pfanne.

 

Dem ein oder anderen Nicht-Germanisten mag der Name jetzt ein bisschen germanisch vorkommen. Woher der kuriose Name? Peter Schlemihl ist der Protagonist in Adelbert von Chamissos (der dem schönen Kreuzberger Platz seinen Namen verleiht) bekanntestem Werk namens „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“. Genauso geschichtsträchtig wie diese Namensgebung ist auch der Ort, an dem sich das schöne Lokal angesiedelt hat. Denn dort gab es schon eine Schlachterei und eine weitere deutsche Wirtschaft. Die lief aber mehr schlecht als recht, weshalb die drei Gründer-Jungs, Philipp, Ascan und Jonas, die Chance ergriffen und sich den Laden für ihr Projekt gesichert haben. Bleibt die Frage: „Na ihr Lieben, was genau hattet Ihr Euch denn da als Projekt so vorgestellt?“

Man müsse sagen, so viel Plan und Konzept hätte es da gar nicht gegeben, verraten uns Philipp und Jonas im Gespräch im Stuhlkreis auf Hockern an der Bar. Wir trinken Radler und frischgezapftes Augustiner. Am Anfang hätte das Chaos geherrscht. Zwei Monate lange haben die drei mit diversen Helferlein das alte Interieur rausgerissen und alles erneuert: eine schöne Bar gebaut, einen Fliesenspiegel wie die Profis gelegt und von Freunden selbstgeschweißte Tische platziert. Heraus kam ein sehr schöner, holzbetonter Laden in goldenem Licht, in dem man sich ganz und gar wohlfühlen kann. Wir sehen auffallend gemischtes Publikum.  Das ist hier im superhippen Kreuzberg zugleich selten und super schön. (Ja, mit deinen Eltern solltest du auf jeden Fall mal in den Peter Schlemihl gehen!)

 

Den neuen Nachbarn am Chamissoplatz haben sie selbstgebackenes Sauerteigbrot und eingekochte Marmelade vorbeigebracht, um sich vorzustellen. Aber Jonas und Philipp erzählen von schweißtreibenden ersten Monaten, von kranken Köchen und von freundlichen Omis, die den Dreien eine Fritteuse vererbt haben, die dann leider ziemlich schnell den Geist aufgegeben hat. Sie erzählen von stundenlanger Vorbereitung, von Aufs und Abs, von Monaten ohne freie Tage und davon, wie sie sich beim Studieren kennengelernt haben. Das Schöne ist: sie grinsen unheimlich viel. Sie sind mit Herz dabei, das merkt man.

 

Da werden Spätzle gehobelt, bis die Finger wund sind, und am Ende der Woche gibt es den Sonntagsbraten, zu dem selbst eingesessene Rentner aus dem Kiez vorbeikommen, um diesen zu verkosten. Das ist einfach schön zu sehen, wie sehr das Konzept der Drei, das ja eigentlich ein Nicht-Konzept ist, von so vielen Menschen begeistert aufgenommen wird. Ich glaube, das liegt genau daran, wie die Jungs sind und was sie da machen: Sie machen das alles vor allem mit sehr viel Mut und einer großen Portion Leidenschaft. Ohne zu viel Angst vor Kritik und Fehlern, dafür mit viel Flexibilität und dem absoluten Willen, sich auf jeden Gast und dessen Meinung einzulassen. Das beeindruckt mich sehr.

 

Nach dem ersten Tag sei erst mal der Koch krank gewesen. Dann hieß es: Ascan, du musst jetzt Spätzle reiben!

Ich fühle mich eigenartig wohl und zuhause im Peter Schlemihl. Das hat viele Gründe, aber einer der größten ist natürlich das Essen. Wir essen ein vegetarisches Dreierlei vorneweg: Handkaas, super cremiger Obazda und Kartoffelsalat. Dazu wird selbstgebackenes Sauerteigbrot gereicht, das herrlich saftig und lecker ist.

 

Danach wagen wir uns an alle drei Bestseller aus dem vegetarischen Bereich: Die klassischen Käsespätzle mit Bergkäse und Röstzwiebeln, die ich ganz fantastisch finde – damit kann man nie etwas falsch machen. Denn Käsefäden, Käsefäden und nochmals Käsefäden sorgen für kulinarische Glücksmomente und kindliche Freude… Die „Spätzle Blau“ mit Gorgonzola, Walnüssen und Rucola, durch den Gorgi unheimlich cremig und sahnig, in Kombination mit dem Rucola würzig und dank kleiner Birnenspalten fruchtig, sind etwas ganz besonderes! Dritte im Bunde sind die Spinatknödel mit Butter, Parmesan und einem Beilagensalat – mein persönlicher Favorit. Sehr buttrig, sehr zart und mit einem Berg Parmesan oben drauf, so dass man die Knödel am Anfang gar nicht erahnen konnte. LECKER!

 

Danach sind wir erst mal ganz schön glücklich und ganz schön satt. Ohne Dessert gehen wir allerdings nicht nach Hause, deswegen warten wir ein bisschen und bestellen dann noch die Schokokugel aus Schokolade und Mascarpone mit Wildbeerenkompott und weißen Schokispänen oben drauf. Eine zartschmelzende Fantasie aus Schokolade.

Käsefäden, Käsefäden und nochmals Käsefäden sorgen für kulinarische Glücksmomente und kindliche Freude…

Was mich am meisten begeistert und nachhaltig an diesem Abend beeindruckt, ist, wie unbefangen man an ein Projekt herangehen kann. Alles wird gut, egal wie es ausgeht, und irgendwie schafft man es ja immer durch stürmische Zeiten. Hauptsache ist: Don’t think too much! Macht euch nicht zu viele Sorgen über die Zukunft. Geht lieber eine Runde Spätzle im Peter Schlemihl essen – ihr wisst schon: Comfort und so.

 

Info

Peter Schlemihl

Website

Willibald-Alexis-Straße 25
10965 Berlin
Tel. 030 6956 5320

Öffnungszeiten:
Mo bis So: 17:00 – 01:00 Uhr

Willibald-Alexis-Straße 25, Berlin, Deutschland

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