Das Reisen in die weite Ferne ist uns im Moment leider untersagt. Umso besser, dass man in Berlin auch die Möglichkeit hat seine liebsten Länder zu besuchen, indem man einfach die ein oder andere Tür öffnet und schon ist man tausende Kilometer entfernt. Eine solche Tür befindet sich seit knapp einem Jahr in Berlins Mitte und dahinter: das Oukan, in das wir euch heute mitnehmen!

Wir treffen uns heute mit Huy Thong Tran Mai, den mit dem Oukan eine wahnsinnig lange Geschichte verbindet. Huy Thong hat vietnamesische Wurzeln, hat in London Modedesign studiert und ist, wie er an diesem Nachmittag immer wieder sagen wird: ein echter Genießer (da sind wir schon zwei! Wunderbar.). Begonnen hat die Geschichte der Oukan eigentlich im Jahr 2011, das Jahr der Tsunami-Katastrophe in Japan. Huy Thong, der zu dieser Zeit gerade dabei war sich mit den Planungen der Berliner Fashion week zu beschäftigen, erhielt einen Brief von japanischen Designern, die um Hilfe für ihre Existenzen baten, denn:

Die Fashion week in Tokyo wurde in diesem Jahr komplett abgesagt und somit zerbrach für viele junge Designer in Japan ihre Existenzgrundlage. Es ist eine ähnliche Situation wie heute und auch hier zeigt sich deutlich: nur zusammen können wir alles schaffen. So beschloss Huy Thong seinen japanischen Kolleg*innen zu helfen und ermöglichte es ca 40 von ihnen ihre Kollektionen im Rahmen der Berliner Fashion week zu zeigen. Für die jungen Designer ihre Rettung.

Auch nach diesem Projekt blieb der Wunsch die geschaffene Verbindung zwischen Japan und Deutschland zu halten und japanische Produkte hier in Berlin zu zeigen und zu vertreiben: die Geburtsstunde des ersten Oukan, welches ein Conceptstore für japanische Mode und verschiedene andere Produkte wie Bento Boxen und Tee war.

Das heutige Oukan hat sich nochmal ein bisschen weiterentwickelt. Es ist das von Huy Thong lang ersehnte Café mit japanischen Tee Spezialitäten und Süßigkeiten, wie man es genauso auch in Tokyo hippsten Bezirken oder in Kyotos schönsten Gassen finden könnte.

Beim Betreten des kleinen länglichen Café-Raums fällt sofort auf, wie praktisch und durchdacht alles gestaltet wurde. Da verstecken sich ganze Küchen hinter unscheinbaren Schiebetüren, Garderoben tarnen sich hinter schönem Holz und es gibt unzähliche kleine Ablagen, Verstecke und Türen, sowie Schubladen und Schränke, von denen keiner ahnt.

Klassisch nach japanischem Vorbild wird der Platz optimal genutzt ohne dass man sich irgendwie beengt fühlt.

Huy Thong, der sich in den letzten Jahren immer mehr dem Design für verschiedene Innenräume von Restaurants und Hotels zugewandt hat, erzählt uns, dass im Oukan nur natürliche Rohstoffe zum Einsatz kamen. Das fühlt man sofort. Die Wände sind mit Platten aus gepresstem Lehm aus Brandenburg bedeckt, in denen man wellenförmige Musterungen erkennen kann, die durch die Übereinanderschichtung dreier verschiedener Lehmarten entstanden sind. Wände aus Lehm machen ein total angenehmes Raumklima, weil sie so eine gewisse Temperatur und Feuchtigkeit ausstrahlen und auch Huy Thong erklärt uns, dass in Naturbauten aus Lehm immer ein ganz anderes Raumklima und eine andere Luftfeuchtigkeit herrscht. Das stimmt total und das so im Oukan einatmen zu können macht mir ein sehr angenehmes Gefühl.

Außerdem verkleiden die Wände dann noch verschiedene Holzplatten in Abwechslung mit Tatami-Matten, die sich in geometrischen Formen ineinander spinnen. An den Decken sieht man dicke Sisal-Seile, die sich verknoten und wieder lösen und alles wird von kleinen Deckenstrahlern ausgeleuchtet.

Ein rundum gelungener Raum und dabei haben wir noch nicht einmal etwas probiert, das auf der Karte steht.

Wir sprechen viel an diesem Nachmittag, auch über andere Projekte, über alte und neue und über die heilende Küche Japans, über die ich euch an anderer Stelle mehr erzählen werde. Aber vor allem bleibt in mir zurück der Eindruck von Huy Thong, der eine wahnsinnig bedachte, ruhige und anmutige Art und Weise hat zu sein. Wir sprechen über Häuser in der Wildnis, wo niemand und nichts auf dich wartet. Über Meditation, das Probieren von Teesorten und danach schmecken, ob es wohl Mineral- und Tauwasser war, womit aufgebrüht wurde. Wir sprechen über Essen als etwas Besonderes, etwas, das gut tun soll und das für jeden Menschen egal mit welchen Budget bezahlbar sein soll. Die Preise nach oben sind immer variabel, so Huy Thong, aber aus seiner Studentenzeit weiß er, wie wenig Geld man manchmal zur Verfügung hat und wie schön es dann ist, wenn man sich trotzdem etwas besonderes leisten kann.

Genau das wird auch im Oukan umgesetzt. Es gibt ganz verschiedene Dinge zu probieren: natürlich verschiedene Teesorten und trendige Dinge wie Matcha Latte. Außerdem hat das Café immernoch den Hauch eines Conceptstores, weil man unter anderem die Tees und auch verschiedene Keramik, Gläser und Flaschen kaufen kann.

Mittags gibt es im Oukan ein wundervolles Lunch, das zugleich japanisch traditionell, als auch mit einem gewissen Twist verbunden ist. Wir probieren eine Reisschale aus schwarzem und weißem Reis mit einer Soße aus weichem Tofu, Shiitake Pilzen und Algen mit Shisokresse oben drauf und diese Donburi macht ein herrliches Bauchgefühl und schmeckt köstlich nach Japan.

Wie ich sagte, man muss nicht weit weg, um sich weit weg zu fühlen. Danach probieren wir noch einen Wrap mit Ei und auch dieser ist herrlich knackig, super frisch und schmeckt unglaublich lecker.

Am meisten herbeigesehnt haben wir aber natürlich das Probieren der Süßigkeiten, die es im Oukan gibt. Auch wenn manche davon in unserem westlichen Verständnis von Süßem vielleicht gar nicht so süß sind, dafür aber umso köstlicher. Wir probieren zum Beispiel ein Mochi Daifuku mit Miso und Walnüssen, das mit seiner Füllung nicht klassisch japanisch ist, aber unglaublich toll. Der weiche klebrige Mochiteig und dann die bröselig cremige Füllung. Der Wahnsinn.

Außerdem versuchen wir noch den Bestseller: den Matcha Cheesecake und ja, da muss man nicht mehr viel sagen. Ich verstehe sofort, warum er ein Bestseller ist. Die Creme ist unglaublich cremig und vollmundig, schmeckt außergewöhnlich intensiv nach Matcha und der Boden ist knusprig, buttrig und hat genau die richtige Prise Salz dazu.

Genauso toll ist mindestens das Eclair, welche mit einem Topping aus karamellisierten Pecannüssen daher kommt und mit einer Creme aus Vanille, die an Geschmacksfülle und gleichzeitiger Zartheit kaum zu übertreffen ist. Schmeckt unglaublich toll und ich bin wieder einmal so dankbar dafür in dieser besonderen Stadt leben zu dürfen.

Diese Vielfalt und die daraus entstehende Kreativität ist genau jetzt so wichtig zu schützen, so unersetzlich und so besonders. Und nur weil wir sie hier so vermeintlich selbstverständlich haben dürfen, bedeutet das keineswegs, dass wir uns nicht jeden tag für sie einsetzen müssten!

Info

Oukan Tea

Website

Ackerstraße 144
10115 Berlin

Öffnungszeiten:
Mo – Fr 12:00 – 18:00 Uhr
Sa 13:00 – 19:00 Uhr
So geschlossen

Ackerstraße 144, Berlin, Deutschland