Hummus und Brezn, Obazda und Fladenbrot. Passt nicht? Passt perfekt! Den besten Beweis dafür liefert das „Über den Tellerrand“-Café in der Münchner VHS am Max-Weber-Platz. Hier zeigt sich, wie Integration wirklich funktionieren kann.

Die Geflüchteten, die 2015 in großen Zahlen in Deutschland ankamen, öffneten Jasmin die Augen. Sie wollte etwas unternehmen. Und so wurde sie schließlich auf den Verein „Über den Tellerrand“ aufmerksam. Die Idee dahinter fand sie von Anfang an toll. Bei gemeinsamen Kochsessions können sich Einheimische und Geflüchtete hier auf ungezwungene Art und Weise näher kommen. Das gemeinsame Schnippeln und Kochen ist jedoch meist nur der erste Aufhänger, denn nicht selten haben sich daraus schon Freundschaften entwickelt, die – im wahrsten Sinne des Wortes – über den Tellerrand hinaus reichen. Nicht umsonst heißt es, Liebe geht durch den Magen. Hier geht es nicht darum, sich um die Geflüchteten zu kümmern“, erklärt Julia im Gespräch. „Es geht um das Miteinander und zwar auf Augenhöhe.“ Dem kann auch Jasmin nur zustimmen: „Hier hilft man sich gegenseitig und lernt voneinander. Das bedeutet auch, dass jemand der kein oder nur schlecht Deutsch spricht, nicht direkt hinter die Spüle gestellt wird. Stattdessen nehmen wir uns die Zeit, ihn zu verstehen und ihm alles mit Händen und Füßen zu erklären. Dabei kommt man auch nicht darum herum, sich gelegentlich selbst zu hinterfragen.“ Die beiden Geschäftsführerinnen des neuen Cafés am Max-Weber-Platz sehen mit großer Begeisterung, wie gut das Konzept funktioniert. Und das Netzwerk wächst und wächst. Der Verein, der in Berlin gegründet wurde, ist inzwischen in nahezu jeder größeren deutschen Stadt vertreten. Auch in Österreich und den USA wird inzwischen fleißig über den Tellerrand hinaus gekocht.

Mit dem Café geht der Verein nun noch einen Schritt weiter. Durch die Anstellung in dem gastronomischen Betrieb können die Geflüchteten nun nämlich selbst Gastgeber sein und das in einem Land, wo ihnen oft vieles Fremd ist. Seit Juli hat das „Über den Tellerrand“-Café nun geöffnet und inzwischen umfasst das Team 15 Mitarbeiter – zehn davon mit Migrationshintergrund. Die zwei Köche stammen beispielsweise aus dem Irak und aus Syrien. Bei „Über den Tellerrand“ zu arbeiten, bedeutet auch stetiges Lernen. Einmal die Woche steht Deutsch auf dem Programm. Außerdem sind externe Gastronomie-Coaches dafür zuständig, dass die Mitarbeitern auch fachlich auf dem Laufenden bleiben. Das kostet aber auch viel Zeit – und Geld. Aus diesem Grund ist eine kleine oder auch größere Spende bei dem Verein genauso wie bei dem Team des Cafés jederzeit gut aufgehoben.

Auf die VHS als Standort kamen sie eher durch Zufall. In München ist es nämlich gar nicht so leicht, eine passende und preisgünstige Location zu finden, in der man gemeinsam gemütlich kochen kann. Die Küche der VHS war dafür perfekt und als die Schule einen neuen Pächter für das Café im Erdgeschoss suchte, mussten Julia und Jasmin nicht lange überlegen. Jeder, der Lust hat, kann sich nun an sechs Tagen die Woche selbst davon überzeugen, wie toll die bayerische und arabische Küche zusammenpassen. Auf dem großzügig angerichteten Brotzeitteller finden viele Leckereien aus den scheinbar völlig unterschiedlichen Kulturen zusammen und ergänzen sich ganz perfekt. Mindestens ebenso empfehlenswert ist der Falafelteller mit fantastisch cremigem Hummus und Baba Ghanoush – natürlich alles hausgemacht.

Die Gerichte, die hier auf der Karte stehen, sind orientalisch inspiriert, häufig auch vegetarisch und vegan. Egal, ob morgens mit syrische Frühstücksbowl oder am Abend mit dem „Über den Tellerrand“-Spritz: Das Café hat zu jeder Tageszeit tolle Leckereien zu bieten. Vor allem am Mittag gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken, denn die zwei Mittagsgerichte wechseln täglich. Und das Besondere: Jeder zahlt das, was er kann. Da es sich bei „Über den Tellerrand“ um ein soziales Projekt handelt, sollen hier auch die Preise sozial sein. Deshalb kann jeder Gast ganz einfach selbst entscheiden, ob er gerade knapp bei Kasse ist, den normalen Preis bezahlt oder in der dritten Preiskategorie vielleicht auch etwas mehr gibt.

Neben dem normalen gastronomischen Betrieb und dem offenen Kochtreff, der jeden zweiten Donnerstag im Monat in der VHS-Küche stattfindet, veranstaltet der Verein außerdem jeden Donnerstag um 19 Uhr vor Ort das Sprachcafé, bei dem ebenso jeder herzlich willkommen ist. Egal, ob Deutsch, Spanisch oder Arabisch – die Atmosphäre ist lustig und locker. Denn anders als in den klar strukturierten Kursen der Volkshochschule steht hier vor allem auf dem Lehrplan, was Spaß macht.

Bei uns kann jeder mitmachen – er muss sich einfach nur etwas Zeit nehmen.

Info

„Über den Tellerrand“-Café
Einsteinstraße 28
81675 München

089 89081965
cafe@ueberdentellerrand-muc.org
ueberdentellerrand.cafe

Öffnungszeiten:
Mo-Sa: 8:30 – 22 Uhr

Einsteinstraße 28, 81675 München, Deutschland

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