Wir hatten es ja schon angekündigt. Die Hacker-Pschorr Spezltour ging am Freitag, den 27. Juli 2018, mit keinem geringeren als Ex-Oberbürgermeister Christian Ude in die nächste Runde. Unglaubliche 21 Jahre lang war Ude Münchens OB. Er war aber nicht nur einer der beliebtesten Politiker der Hauptstadt, sondern ist zudem auch Kabarettist und Autor. Er weiß also, wie man Geschichten erzählt und kurze Weile macht. Auf dem Weg vom Hacker-Pschorr Traditionshaus Donisl über das Münchner Rathaus, den Fischbrunnen und die Münchner Freiheit hin zu Väterchen Timofei bis zum Hacker-Pschorr Gasthaus Weinbauer in Schwabing wurden die auserwählten Spezltour-Teilnehmer vom Ober-Spezl Ude bestens unterhalten. Die Highlights lest ihr hier!

Es ist brütend heiß, der Jahrhundertsommer macht seinem Namen alle Ehre. Unser Spezl Ude beginnt seine München-Tour im „neuen“ Traditionswirtshaus Donisl am Marienplatz. Gute Wahl, denn bei den Temperaturen kommt das komplett offene Dach der Wirtschaft grad recht, zusammen mit einem kühlen Hacker-Pschorr vom Fass natürlich. Während die Außentemperaturen die 30-Grad-Marke überschreiten, fährt also einfach das Dach der Wirtschaft komplett auf und gibt den Blick frei auf den blau-weißen Himmel über uns. Gebaut ist das Donisl wie ein alter Münchner Laubenhof, mit einem offenen Innenhof, in dem vom Holzfass gezapft und ausgeschenkt wird.

Und worüber redet so ein Ex-Bürgermeister? Na, über das Rathaus nebenan natürlich. Das kam nämlich zunächst bei den Münchnern gar nicht gut an, ist es doch quasi 1:1 aus Brüssel geklaut. Aber dem Architekt Georg von Hauberrisser kann man es verzeihen, wenn man bedenkt, dass der grad mal 25 war, als es konstruiert wurde. Den Wittelsbachern jedenfalls wird es schon gefallen haben, denn die wurden kurzerhand mal allesamt steinern verewigt. Eine steingewordene Hommage an den Adel ausgerechnet dort, wo sonst eher Handwerker der Stadt verewigt wurden. Christian Ude weiß: „Die meisten Bauwerke in München sind Kopien. Aber die Mischung macht es wieder besonders.“ Daran anknüpfend die Frage: Warum heißt der Englische Garten wohl Englischer Garten? Korrekt. Er ist dem Hyde Park in London nachempfunden… Und der Chinesische Turm? Ha, Fangfrage! Den findet man so nirgends in China, der ist tatsächlich eine Münchner Eigenkreation!

Eines der Highlights der 21-jährigen Amtszeit des Ex-OBs und auch der Geschichte des Rathauses war sicherlich der Besuch von Michael Jackson. Empfangen wurde der im zweiten Balkon, damit ihn keiner mit Eiern bewerfen konnte… hm, ob es da wohl einen Präzedenzfall gab? Wer weiß!

Obwohl sich niemand so recht von den Lippen des Alt-OBs lösen will, brechen wir auf und sehen uns das Rathaus und den Fischbrunnen mit neu angeeignetem Wissen an. Christian Ude erzählt aber trotzdem immer weiter, ein Buch von einem Mann!

 

Der Fischbrunnen also und seine langgelebte Tradition: Das Geldbeutelwaschen. Immer am Aschermittwoch treffen sich hier die Münchner, waschen ihren Geldbeutel und hoffen damit auf Geldsegen. Christian Ude entkräftet aber auch diese „Tradition“: Gerade mal seit den 1950er Jahren ist das zur Tradition geworden. Das Geldbeutelwaschen wurde in einer historischen Quelle – gerade mal einer – gefunden und dann in den 50er Jahren zur „Tradition“ erklärt.

Dass der Herr Ude nicht das einzige Münchner Urgestein ist, das an der Spezltour teilnimmt, beweist uns bei der nächsten Station unser Fahrzeug: ein alter Münchner Stadtbus aus den 80er Jahren. DM-Preise für Fahrtickets hängen an der Wand, rote Lederpolster und das Münchner Stadtwappen prangt groß an der Vorderseite des Busses. Für eiskaltes Hacker-Pschorr ist gesorgt, die Spezl lauschen weiter den kleinen Anekdoten über Münchner Sehenswürdigkeiten wie das Maximilianeum, an dem es zum Schwabinger Siegestor vorbeigeht.

Die meisten Bauwerke in München sind Kopien. Aber die Mischung macht es wieder besonders.

Moment – Schwabinger Siegestor? Ja, so heißt es, obwohl es doch eigentlich noch in Maxvorstadt liegt. Aber den Schwabingern ist das ganz egal. Ab hier, so ist man sich einig, beginnt eben Schwabing. Der nächste Programmpunkt ist die Münchner Freiheit. Aber woher eigentlich der Name? Naja, mit der bekennenden Münchner Band hat es schon mal nichts zu tun. Viel mehr geht es um die Widerstandsgruppe „Freiheitsaktion Bayern“, die zur Kapitulation vor der amerikanischen Wehrmacht aufrief. Kein einziger Schuss fiel während des Abzugs…

Weiter geht es vorbei an dem Café, an dem Christian Ude und Helmut Fischer alias Monaco Franze immer ihren Sonntags-Kaffee tranken. Noch heute ist dem Schauspieler an seinem Stammplatz eine Statue gewidmet. Eins wird klar: Der Ude kam und kommt wirklich rum in München! Wir steigen wieder in unseren Bus und ab geht es zum ehemaligen Zuhause von Väterchen Timofei.

Die kleine Oase, mitten im Olympiapark, beinhaltet dessen Wohnhaus und die Ost-West-Friedenskirche. Selbst erbaut von dem russischen Eremiten Timofei, der 2004 mit 110 Jahren verstarb. Christian Ude hielt stets seine Hand über den, wie er es nannte, charmantesten Schwarzbau Münchens und besuchte den Eremiten jedes Jahr mit seiner Frau zu dessen Geburtstag. Sogar Königin Sylvia von Schweden kam nach ihrer Krönung stets auf ein Glas Wodka bei Väterchen Timofei vorbei.

Letzte Station: Das Gasthaus Weinbauer in Alt-Schwabing

Der Tag mit Ude und den anderen Spezln endet im Gasthaus Weinbauer in Alt-Schwabing, das es immerhin schon seit 1861 gibt. Seit 2010 unter der relativ jungen Leitung von Franz Schmuck und Thomas Eder strahlt es immer noch urige Gemütlichkeit aus und macht mit traditionell-bayerischen Genüssen Freude. Münchner Fleischpflanzerl nach altbayerischem Rezept, Jungschweinebraten in Dunkelbiersauce oder Rotbarschfilet im Brezn-Mantel, Obazda, frische Brezn oder Nürnberger Rostbratwürstl sorgen für eine gute Grundlage. Denn auch wenn der Weinbauer „Wein“ im Namen trägt: Letztendlich trinkt man hier vor allem a Bier! In diesem Sinne: Noch einmal Prost an alle Spezln und solche, die es werden wollen!

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