Das Irma la Douce ist nur eines von zwölf tollen Restaurants, die wir euch mit den neuen Taste Twelve Berlin wärmstens ans Herz legen. Warum genau ihr der Irma einen Besuch abstatten solltet und was euch da so ungefähr erwarten wird, erzählen wir euch heute bei einer abendlichen Reise in Richtung der Potsdamer Straße…

Die Potsdamer Straße, auf der sich das Irma la Douce befindet, trägt eine berlintypische und genauso berlin-besondere Geschichte in sich. War der Potsdamer Platz zur Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts tagsüber voll mit neuen und edlen Hotels, schicken Restaurants und verschiedenen Varietés und abends ein  Treffpunkt von Menschen auf der Suche nach Unterhaltung, Feiern und ganz offen heraus gesagt auch billigem Sex in Form von Prostitution, so hat er sich im Laufe der Zeit ziemlich verändert.

 

Nach der Teilung der Stadt veränderte sich der Platz, da er direkt an den Grenzen der Sektoren lag und als die Mauer gebaut wurde, verlief sie direkt mittig über den ehemals strahlenden Potsdamer Platz. Nach der Wende blieb er lange eine große Brachfläche mitten im Zentrum Berlin, geprägt von einem der größten Trödelmärkte der Stadt, bis man zu Anfang des 21. Jahrhunderts begann, verschiedene Großbauten zu errichten und dem Platz wieder gerecht zu werden, indem man ihn wieder zu einem speziellen und besuchenswerten Ort umgestaltete.

 

Genau hier zieht die Potsdamer Straße vorbei und genau hier findet sich auch das Irma la Douce. Heute ist die Potsdamer Straße ein wilder Mix aus allem, was wir uns in Berlin vorstellen können: wir finden wieder Varietés wie den Wintergarten, edle Lokale wie das Irma oder aber auch kleine Dönerbuden, Spielehallen und riesige türkische Supermärkte. Diese Mischung machte die Lokation des Irma so spannend für Betreiber Jonathan Kartenberg, den wir auch aus dem eins44 kennen.

 

Das Irma versucht sich aber trotzdem weder für die schicke noch für die verruchte Seite der Potsdamer Straße zu entscheiden. Die Mischung aus beidem ist der Grund, warum man das Irma genau hier findet und die Vielfältigkeit und Freiheit Berlins ist immer unbedingt schützenswert – da sind wir uns einig.

Wir betreten einen wunderschönen Raum, den man so hinter der Fassade gar nicht erwartet hatte. Vielleicht liegt es auch an der Straße. Man kann es nicht sicher sagen. Auf jeden Fall ist der Innenraum des Irma la Douce in ein wunderschönes Grün getaucht, man fühlt sich wie auf einem Bett aus Moos, mit klassischen Elementen der Kaffeehaus-Kultur wie den großen Spiegeln an den Wänden, den außergewöhnlichen Lampen und auch den Tischen, die perfekt elegant eingedeckt und von einem unaufdringlichen Licht einer gold glänzenden Tischlampe erhellt werden.

 

Alex geleitet uns durch den heutigen Abend. Alex kommt aus dem Elsass, aus Straßburg und spricht alles natürlich muttersprachlich französisch aus. Alex hat Humor, kommt sich zwischenzeitlich so vor, als würden wir gar nicht selber entscheiden, sondern er alles für uns (und vielleicht stimmt das auch, weil er das einfach so gut macht) und ist wie für diesen Beruf geschaffen.

 

Wir beginnen vor riesig vielversprechenden Weinregalen und der großen Uhr mit Uhrzeit kurz nach zwölf in einem Raum ohne Zeit, es kommen Erinnerungen an Cinderella auf.

Zu Beginn eine Runde Champagner mit Austern und einer grünen Gazpacho mit Erbsenfalafel und Meloneneis. Die Idee Melone wie Schinken zu verarbeiten gefällt mir natürlich extrem gut und sie schmeckt mir noch besser. Egal ob in Form des Eises oder ob als wirklichen Melonenschinken auf meiner Auster: in Kombination herrlich meerig, salzig, weich, geräuchert und zitronig. Ein wundervoller Einstieg.

 

Danach folgt Hummer gebraten und im Tempura-Mantel an einer Fenchel-Mayo mit geeister Caponata, Steinpilzen und Rosine. Herrlich! Unaufdringlich, fruchtig, süß und dann zugleich salzig, kalt und intensiv. Ein perfekt kuratierter Teller: geschmacklich einmalig und optisch ein Highlight.

Danach versuchen wir die Bouillabaisse, weil Alex uns ohne die nicht nach Hause gehen lässt und ich mich schon seit ich in Marseille gewohnt habe, nach einer sehne. Natürlich kommt sie in einer außergewöhnlichen Aufmachung daher: in einem Kreis auf meinem Teller befinden sich verschiedene Schätze der Meere wie Rotbarbe, Pulpo und Muscheln und daneben kleine Croutons mit Sauce Rouille, die man im danach aufgegossenen Krustentier-Sud versenkt und dann mit Gruyere bestreut wieder auf der Gabel bergen muss. Perfekt!

Der Sud ist eine Explosion an Aromen mit einer gewissen Dosis Safran und schmeckt vorzüglich. Dazu gibt es außerdem einen frischen Fenchelsalat mit Orangen und Kartoffelstampf, das man ebenso versenkt wie die Croutons. Alex erklärt, dass früher auch Kartoffeln in der Bouillabaisse waren, also wollen wir ihnen das Bad im Sud natürlich nicht verwehren! Das ist klar.

 

Zum Abschluss gibt es dann noch eine sehr durchdachte und abwechslungsreiche Käseauswahl mit warmem Brot (unter anderen eines mit Aprikosen und Pflamen darin ist dabei – göttlich!), die wir mit Begeisterung durchprobieren und uns an der Qualität der handgemachten Käsestückchen begeistern.

 

Es kann nicht mehr besser kommen, da sind wir uns sicher, aber Alex und die Meister der Küche, wissen es besser.

Es folgt das Dessert: Eine Rose aus Pfirsich mit Ziegenjoghurtnocken, Mousse aus weißer Schokolade, Estragontropfen und kleinen knusprigen Schokoladenflocken. Eines der besten Desserts, die ich je gegessen habe und es trifft genau meinen Geschmack. In Kombination mit einem herrlichen Dessertwein aus Alex Händen, komme ich nur schwer aus dem Schwärmen wieder heraus.

 

Hier muss man auch nochmal erwähnen, dass die Küche im Irma la Douce so einige Meister versteckt, wie zum Beispiel Michael Schulz, der davor im preisgekrönten Golvet und im Rutz gekocht hat oder Sommelier Sascha Hammer, den man aus dem Volt kennt.

 

Mir bleibt zu wünschen, dass das Irma la Douce uns trotz dieser schwierigen Zeiten für Gastronomen jahrelang erhalten bleibt und auch, dass der und die ein oder andere von euch zu den Taste Twelve Büchern greifen und sich verwöhnen lassen! Traut euch auf die Potsdamer! Ihr werdet euch sicherlich lange an diesen Abend erinnern.

Info

Irma la Douce

Website

Adresse:
Potsdamer Straße 102
10785 Berlin

Tel. 030 23 000 555

Öffnungszeiten:
Mo – So 18:00 – 22:00 Uhr

Potsdamer Straße 102, Berlin, Deutschland