„Let soy be a culture!“ prangt in großen Letter auf dem Schaufenster des neuen Sojabohnen-Kultur-Cafés Huadou in der szenigen Mitte Berlins. Der Laden ist ein innenarchitektonisches Highlight und hat eine klare Botschaft an uns alle. Die kann man dann eben auch mal direkt auf die Scheibe schreiben. Wir wollten mal sehen, wer und was dahinter steckt…

 

Viel Bambus, helles Holz, weiße Tresen, graue Wände und Böden. Das Huadou in Berlin-Mitte überzeugt mich schon fast beim Betreten des Ladens. Ein wunderschönes Café, das in seiner Schlichtheit und mit designigen Elementen sehr japanisch anmutet. Das hier ist definitiv einem kreativen Geist aus Asien enstprungen, denke ich (und erfahre später: Es ist in der Tat ein chinesischer Innenarchikekt, der hierfür verantwortlich zeichnet). Ich fühle mich auf Anhieb wohl. Die meisten Gäste sitzen mit einem Getränk im Café und betrachten die diversen Gerätschaften auf den Tresen, die ziemlich abgefahren aussehen.

 

Mich begrüßt Mengya Huang, die bereits seit ein paar Jahren in Berlin lebt, ursprünglich aber aus China stammt. Dort hat sie ihren Bachelor in Design abgeschlossen und wollte danach zum Masterstudium in die weite Welt. Es verschlägt die mutige Mengya an eine der größten Universitäten Deutschlands, aber nicht etwa in Berlin, sondern an die RWTH Aachen. Im überschaubaren Aaachen gefällt es Mengya sehr. Sie lernt viel über Deutschland und seine Kultur, doch da kleinere Städte einen kreativen Kopf manchmal auch unterfordern können, zieht es sie schließlich ins große und kreativ blühende Berlin.

 

Und wer jetzt denkt, Mengya kam nach Berlin und hing dort erst mal rum, täuscht sich. Denn sie hatte eine Mission. In China gehören die Sojabohne und die aus ihr gewonnenen Produkte wie Sojamilch und Tofu schon lange zur traditionellen Esskultur. Im Moment verändert sich die chinesische Kulinarik durch den Wohlstand und die kapitalistische Gesellschaft aber eher dahingehend, dass Fleischkonsum als Zeichen von Wohlstand gilt, den viele Menschen gerne genießen wollen.

 

In Deutschland allerdings, so beobachtete Mengya, ist dieser Punkt schon überschritten, und der Trend dreht sich eher in eine andere Richtung: Es gibt eine wachsende Vegetarier- und Veganer-Gemeinschaft. Warum also nicht den Deutschen zeigen, dass Tofu oder Sojamilch viel besser sein können, als die veganen Fertigprodukte in den Regalen diverser Supermärkte? Denn so lecker sie dort auch sein mögen, sie sind eben anders als das, was man im Huadou bekommt…

 

Und Mengya kam, sah und siegte. Sie fand schnell eine freie Ladenfläche, mietete sich ein, und los ging das Projekt Huadou! Es schloss sich eine lange Phase verschiedener Experimente an, aber mittlerweile – so verkündet Mengya stolz – hätten sie die perfekte Mischung aus Kaffee und Sojamilch gefunden.

Die junge Chinesin erklärt mir, dass Sojamilch in China ganz anders hergestellt wird, als wir das hier in Deutschland kennen. Die Sojabohnen werden in China traditionell eingeweicht und dann in eine große, handbetriebene Steinmühle gegeben. Eine solche kann man im Huadou in Originalgröße oder im Miniformat sogar für’s Zuhause erwerben. Oder man kann die faszinierende Milchproduktion in der Mühle im Huadou jeden Freitagnachmittag bestaunen. Heraus kommt eine herrlich cremige und vollmundige Sojamilch, die mich sehr an die erinnert, die ich in Taiwan immer morgens getrunken habe. Also Achtung, Fans des Sojadrinks, der sich ungeschüttelt gern mal in eine wässrige und eine weiße Schicht aufspaltet: Das hier ist etwas anderes. Es gibt aber nicht nur die „normale“ Sojamilch aus Sojabohnen, sondern auch abwechselnd noch zwei andere Kombinationen: schwarze Bohnen mit geröstetetem Sesam und rote Adzuki Bohnen mit Datteln. Weitere neue Sorten sollen folgen.

 

Wer darüber hinaus lernen möchte, wie man Sojamilch und Tofu sogar selber machen kann, ist hier auch an der richtigen Adresse. Denn im hinteren Raum des Cafés gibt es einen Tresen mit Gerätschaften, die extra für Workshops gedacht sind. Wer Interesse hat, kann sich auf der Website des Huadou einen Platz sichern. Die Workshops sind immer ziemlich gut gefüllt! Man muss also schnell sein.

Ich probiere, während ich mich mit Mengya über China unterhalte, einen herrlich schaumigen Matcha Latte und einen veganen Schokoladenkuchen aus Seidentofu. Ja, Kuchen gib es natürlich auch! Der kommt von der veganen Backkünstlerin Mansfield Park und ist extra cremig und schokoladig. Ich schwöre bei Gott: Keiner würde merken, dass dieser Kuchen wirklich vegan ist, wenn er es nicht besser wüsste. Nur falls jetzt hier jemand immer noch Zweifel an der Qualität und Rafinesse veganer Backwaren haben sollte.

 

Ich habe es jedenfalls wieder einnal richtig gut und erfreue mich an Mengyas schöner Geschichte. In Zukunft wird sich im Huadou noch einiges verändern: Es wird mehr selbstgebackene Desserts geben, wie zum Beispiel kleine Küchlein aus Mungbohnen, und auch salzige Dinge werden auf die Karte kommen! Man spekuliert wohl auch über die ein oder andere Kollaboration, um ein kleines Frühstücksmenü anbieten zu können… Wir bleiben dran, und ich schaue bald wieder vorbei und freue mich auf Neues!

Info

Huadou Soy Concept Store

Website

Öffnungszeiten:
Mo – Sa: 10:00 bis 18:00 Uhr
So 11:00 bis 18:00 Uhr

Huadou

Linienstraße 205, Berlin, Deutschland

#kaffee#soja#vegan