Heute begeben wir uns auf eine kleine Schatzsuche in der Mitte Berlins: Wir suchen einen Hinterhof, ein kleines Juwel, große Küche, außergewöhnliche Herzlichkeit sowie fantastische Drinks. Wer jetzt schon weiß, von welchem Ort wir sprechen, der darf natürlich trotzdem gerne weiterlesen. Wer keine Ahnung hat, kann sich auf ein kulinarisches Abenteuer gefasst machen: Auf gehts zur Schatzsuche nach dem HeimlichTreu!

Es ist ein Mittwochabend im Juli und den ganzen Tag hat es wie in Strömen geregnet. Dieser Sommer 2020 in Berlin ist eine verrückte Sache. Ein unzuverlässiges und träges Geschöpf, was die Hitze angeht, die ich immer so liebe. Um mehr in abenteuerliche Sommerstimmung zu kommen, machen wir uns in der Anklamer Straße auf der Suche nach einem kleinen Juwel: Wir suchen das HeimlichTreu, von dem ich so manche mystische Geschichte gehört und gelesen habe. Doch wo kann es sein? An besagter Hausnummer – kein Schild. Doch wie immer hat Google Maps Recht (ein Hoch auf die Navigation!) und da wir natürlich vorbereitet sind, pirschen wir uns vorsichtig nach vorne. Wir kämpfen uns tief in die hintersten Winkel der Hinterhöfe und wollen fast schon wieder umkehren, stolpern im letzten Moment über eine offene Küchentür: Darin zu beobachten eine durch alle Nationalitäten gemischte Küchencrew, die brutzelt, besoßt und arrangiert. Oha! Wir sind wohl auf die Goldader gestoßen und siehe da: um die nächste kleine Ecke – endlich! Ein kleines Schild: Willkommen im HeimlichTreuYeah!

Vorbildlich warten wir vor der Tür, um abgeholt zu werden und freuen uns. Vor uns steht Niko, einer der beiden Gründer des HeimlichTreu und begrüßt uns sehr herzlich. Wie schön. Gespannt betreten wir den Restaurantbereich. Es eröffnet sich uns ein wunderschönes Zusammenspiel aus Holz, Beton, gelben Stoffen, vielen Blumen und riesiger Kunst an den Wänden, welche im Schein des Kerzenlichts für ein fast surreales Ambiente sorgt. Ich verstehe auf einmal, warum es kein richtiges Schild gibt, warum man schon ein bisschen suchen muss, um das HeimlichTreu zu finden: hat man es einmal gefunden hat, wird man eingesaugt in eine andere Welt voller Zauber. Wunderschön und sehr gemütlich. Wir fühlen uns sofort wohl.

Die folgenden Stunden (und es sind tollerweise wirklich viele) verbringen wir mit Niko und abwechselnd auch mit Mike am Tisch, im wundervoll lauschigen Hinterhofgarten mit Terrasse und über vielen kleinen Tellern zum teilen. Niko erzählt uns ein bisschen mehr, warum das HeimlichTreu eigentlich so heißt, wie es heißt: es sollte ein Ort sein, den man eben nicht so leicht findet (wie gesagt: Abenteuerreise!). Sie wollten etwas geheimnisvolles Schaffen, ein Ort wo sich jeder wohlfühlen kann. Wie eine kleine Oase der Gemütlichkeit oder das Wohnzimmer in einem Familienhaus, in dem man sein kann, wie man eben ist und keiner den anderen be/verurteilt.  Außerdem sollte der Name auch eine gewisse Wertvorstellung transportieren: Treue, das ist ein in unserer aktuell schnellen Zeit manchmal vergessener Wert, der in Bezug auf alle Beziehungen gemeint ist: Sei es die Partnerschaft oder sei es die Treue der Gäste, die man an diesem Abend sehr gut spüren kann. Niko sagt: Einfach so kommt hier hinten wohl niemand vorbei. Alle Menschen, die hier sind, wollen bewusst hier sein und kommen oft immer wieder.

 

Ich finde das toll. Definitiv würde Ich auch lieber ein Restaurant mit Stammgästen haben wollen, wenn ich denn irgendwann eines haben sollte. Das ist klar.

Niko erklärt außerdem, dass es ihm und Mike ganz wichtig ist und immer war, dass alle Teammitglieder zusammen arbeiten. Sie sind weitmehr als nur Kollegen. Alle sollen sich wie in einer Familie fühlen und so auch miteinander umgehen. Doch auch ohne diese Erklärung, spürt man den familiären Umgang. Es herrscht eine Herzlichkeit und Wärme im HeimlichTreu, wie ich sie selten erlebt habe. Dieser Vergleich, den Niko gerne zieht, dass das Essen hier sein soll wie bei einer Familie zuhause, könnte treffender nicht sein.

Wir überlassen das Bestellen den Profis und fügen uns ganz im japanischen Omakase-Style (über den wir auch sprechen), den Empfehlungen der Küche. Trotzdem werfen wir einen verstohlenen Blick in die Karte, die aus besonders schönem Papier ist und sich in verschiedene Kategorien aufteilt: Da gibt es fließendes, unterteilt in beispielsweise hopfiges, alkoholfreie Blair Sodas oder kreatives, welches von Arnd Heissen, dem Meister der Cocktail-Fragrances kreiert wurde. Hier wird gleich von Mike ein The Fern Tree geordert, den ich aus einer im Piratenkostüm Kokosnuss trinke. Es duftet herrlich nach Zeda und schmeckt nach Minze, Zitrone und Bombay Sapphire Gin. Kreiert vom oben genannten Cocktail-Meister Arnd Heissen, der nach verschiedenen Parfums der Mitarbeiter des HeimlichTreu neue duftende Drinks kreiert hat – welch Talent!

Einfach so kommt hier hinten wohl niemand vorbei. Alle Menschen, die hier sind, wollen hierher kommen und kommen oft auch wieder.

Das Bissige teilt sich auf in davor, daneben hauptsächlich und danach. Natürlich futtern wir uns einmal durch die komplette Karte. Während wir über Gott und die Welt, unseren gemeinsamen Kiez in Berlin, Fußball, Japan, Vegetarismus und Instagram sprechen, genießen wir eine unglaubliche Köstlichkeit nach der anderen.

Hier sei zum Beispiel der Büffelmozzarella mit Salat erwähnt, auf dem ein Koriandersorbet thront oder das Éclair auf einem Bett aus Ziegenkäse und Möhren mit Pinienkernen und gegrilltem Pfirsich oder aber das Trio vom Blumenkohl mit Vanille oder das Risotto mit Chorizo, Polenta mit Safran, saisonaler Fisch auf Fenchel,  eine Kombination aus Holunder, Erdbeere und Joghurt und eine warme Schale Haselnuss und Birne.

Ich könnte hier tagelang über das herrliche Essen im HeimlichTreu schreiben und lasse bewusst Spielraum um welche Gerichte es sich eigentlich genau handelt, denn: wir wollen ja ein bisschen heimlich bleiben. Was auf jeden Fall klar wird: Hier müssen irrsinnige Talente in der Küche sein.

 

Zwischendurch statten wir der wundervollen Terrasse einen Besuch ab und Mike findet uns immer, egal wo wir sind, mit einem zum nächsten Gang passenden Wein. Wir sprechen über Zukunftspläne wie das Freilegen eines eingemauerten Kamins und über Corona-Zeiten und wie man diese sinnvoll für sich gestalten kann (man kann zum Beispiel neue Möbel bauen). Sie erzählen über den Garten und wie er war, als Niko und Mike den Laden gefunden haben: eine echte Wildnis. Wie man jedoch sieht, kann man aus eben so einer Wildnis, zusammen mit Kleinbaggern und fleißigen Händen eine schöne Gartenterrasse zaubern. Wir sprechen über die Parfümerie, die früher in den Lokalitäten des HeimlichTreu war und wie die edlen Düfte in kleine Falcons abgefüllt wurden. Das passt ganz toll zu meinem Gefühl, das ich mit dem HeimlichTreu verbinde: ein angenehmer Wohlfühlduft in Flaschen. Wunderbar.

 

Es ist, als würden wir Niko und Mike schon ewig kennen: es herrscht die pure Freundschaft, riesige Gastgeber-Freude, Berge aus Herzlichkeit und wir teilen die kleinen und großen Teller und essen eben wie in einer Familie, was Mama und Papa, die in diesem Falle Profiköche/innen sind (welch Glück wir haben!), auf den Tisch stellen.

 

Ich liebe das HeimlichTreu. Danke Niko, danke Mike, danke an das ganze Team, das sich fantastisch und rührend um uns gekümmert hat. Kein Glas blieb zu lange leer, es gab köstlichen Speisen und das Gefühl jetzt einen Ort zu kennen, an dem man sich jederzeit wie in einer Familie fühlen darf. Vielen Dank, dass ihr diesem schönen Gefühl ein so tolles Zuhause gegeben habt!

Wir kommen ganz sicher mindestens nocheinmal.

 

Wir wollen nicht, dass das HeimlichTreu das Restaurant von Niko und Mike ist. Das wird es nie sein. Es ist immer das Restaurant der HeimlichTreu-Familie.

Info

HeimlichTreu

WebSite

Adresse:
Anklamer Straße 38
10115 Berlin

Tel. 030 48 49 45 99

Öffungszeiten:
Mo – Fr 12:00 – 15:00 Uhr
Mo – So 18:00 – 01:00 uhr

Anklamer Straße 38, Berlin, Deutschland

#berlin#gastro#geheim