Das eins44 in Neukölln besticht mit seiner industriellen Atmosphäre und dem Können seiner Küchenchefs sowie seiner Servicekräfte, die mit einer Leichtigkeit aus kleinen Dingen ganz große Geschmacks-Kunst zaubern. Begeisterung bei uns und eine kleine Verneigung meinerseits vor diesen schönen Fähigkeiten zu einem gelungenen Abend. Kommt mit uns auf die Reise in eine Welt, die man vor ein paar Jahren in Neukölln noch so gar nicht erwartet hätte…

Als das eins44 im Jahr 2014 seine Türen das erste Mal in Neuköllns Hinterhof der Otto-Reichel-Höfe öffnete, war Neukölln noch ein ganz anderes, als es das heute ist. Das eins44 war mit seiner Eröffnung ganz am Anfang einer Reihe von neuen Restaurants im fine dining Bereich in einem Stadtteil, der eigentlich so gar nicht mit fine dining in Verbindung stand. Waren es doch eher Simit-Bäckerein und Döner-Buden, die man klischeehaft im Kopf hat, wenn man an Neukölln denkt. So nicht mehr seit unter anderen das eins44 eine neue Ära mit eingeleitet hat.

Ich habe ja ein besonderes Faible für Räume mit viel Geschichte und so empfinde ich es meistens als sehr wichtig, die Geschichte der Räumlichkeiten des Restaurants, das ich besuche, zu kennen. In den Räumen des eins44 war zuvor sicher einiges los: Es ist eine Halle aus der Zeit der Jahrhundertwende, in der über Jahrzehnte Essenzen destilliert wurden. Das kann man auch heute noch spüren und das war den Betreibern des eins44 sehr wichtig. Genau aus diesem Grund sitzt man auch heute noch zum Beispiel auf der alten Galerie, unter metallenen Industrielampen, vor riesig hohen Fliesenspiegeln und auf und an hölzern-metallenen Stühlen und Tischen.

An den Wänden hängen Fotos von lost places und man spürt regelrecht, was die Räume so alles in ihren Jahrzehnten erlebt haben: Viel schweißtreibende Arbeit, echtes Handwerk und dann am Ende der ganzen Kette ein Produkt, das anderen Menschen etliche heitere Stunden beschert hat – Prost!

Wir ziehen brav im Hinterhof vor Betreten der Räume unsere Masken auf und werden sehr herzlich empfangen. Unsere Wegweiserin durch den heutigen Abend ist Claudia, die uns mit einem Haufen Witz und Humor sowie ihrer charmanten, frechen Art uns durch das Menü und die Weinauswahl geleitet. Claudia, du bist ne Wucht! Das weißt du ja schon.

Wir starten mit einem prickelnden Gruß aus der Küche im Sinne eines Pinot Rosé Brut und sind sogleich gut eingestimmt für den Abend. Es geht los mit den Vorspeisen:

Wir entscheiden uns beide für den Szegediner Kohl, bei dem vielen von euch sicherlich das Szegediner Gulasch in die Sinne kommt, das in Berlin altbekannt ist. Im eins44 kommt das Gulasch ohne Fleisch quasi und wir konzentrieren uns auf knackig leckeren Kohl mit Spitzpaprika, weich gegart und mit einer wunderschönen Süße, umgeben von kleinen Kräuternudelplatten, die frisch grün und sehr al dente sind und obendrauf gibt es noch kleine Stückchen Büffelricotta, die dem Teller eine ganz besondere Note geben. Für uns schon mal eine absolute Gewinnerkombination!

Danach gehe ich über zur Jakobsmuschel mit knuspriger Hühnerhaut und Dashi und spätestens hier kommt ganz klar zum Vorschein, was Tim Tanneberg und Daniel Achilles, die an diesem Abend für uns in der Küche stehen, einfach wahnsinnig gut können: Es geht nicht nur um vorwiegend Regionalität und Saisonalität, sowie immer die Option eines vegetarischen Ganges, nein es geht um ein außergewöhnlich rundes und dadurch sehr ausgewogenes Geschmackserlebnis. Das bedeutet nun auf gar keinen Fall, dass hier etwas langweilig schmeckt, nein! Es geht darum die Fülle an Geschmacksrichtungen und Konsistenzen mit verschiedenen Zutaten zu einem unglaublich passenden und auch überzeugenden Gang zu kombinieren.

Das merkt man einfach, dass sie das richtig gut können, der Tim und der Daniel und dass sie das richtig gerne machen. Zum Beispiel haben wir beim erwähnten Jaboksmuschelgang die weiche und ganz zarte Jakobsmuschel, die einen sehr leichten Geschmack hat, die kombiniert wird mit knusprig trocken gerösteter Hühnerhaut, die knackig und salzig ist, dazu eine Soße aus Dashi, die unaufdringlich aber trotzdem kräftig nach Umami schreit und leicht süß ist und dazu kommen noch einige andere Kleinigkeiten und man schmeckt alles zugleich und staunt.

Dass dieser Abend nicht ohne echte Geschmacksspektakel an mir vorbeigehen wird, war mir schon klar, aber trotzdem muss man sagen, dass das eins44 einfach eine wahnsinnig kreative und gleichzeitig auch sehr spannende Küche macht. Ganz ohne fancy Attitüde und ohne schickimicki sichern sie sich ihren Platz in den Reihen der ganz, ganz Großen.  So viel ist klar.

Für uns gibt es noch Kabeljau mit Auster, Saubohne und Karotte, sowie Süßkartoffel-Gnocchi mit Blumenkohl und Kerbelwurzel (ein grandios starker Gang!) begleitet von einem ebenso sehr rundem Riesling Wotanfels aus der Pfalz durchschreiten wir mit Claudia an unserer Seite die ganze kulinarische Stärke des Teams.

Zum krönenden Abschluss versuchen wir noch ein Törtchen mit Mangospalten, Passionsfrucht und Karamell, sowie Griesschnitte mit frischen Mandarinenspalten und Sorbet derselben – auch hier wieder eine außergewöhnliche Kombination der Konsistenzen und Geschmacksnuancen – eine sehr gute Idee.

Mit dem eins44 macht man nichts falsch. Man macht sogar extrem viel richtig.

Das zeigt auch das sehr durchmischte Publikum, das uns an diesem Abend begleitet: wir sehen Mittvierziger, die ihren Geburtstag feiern, wir sehen junge Anfangszwanziger, die einen besonderen Abend genießen, Mittdreißiger, die erst ganz spät noch ins Lokal tröpfeln und zwei Gänge essen, einfach weil man das auch kann, und ohne jetzt zu viele Schubladen und Klischees aufzumachen ist klar: das eins44 ist ein Ort für uns alle, für jeden, der Lust hat sich auf eine ganz fantasievolle und kreative Küche einzulassen und man wird überrascht sein, denn hinter den kleinen Schlagworten auf der Karte treten große Geschmackskreationen hervor!

Info

eins44

Elbestraße 28/29
12045 Berlin

Tel. 030 62 98 12 12

Öffnungszeiten:
Mo bis So 18 – 23 Uhr

Elbestraße 28/29, Berlin, Deutschland