Wer mich kennt, weiß, wie sehr ich Japan und seine Kultur sowie japanisches Essen liebe. Da geht es nicht nur um die in Deutschland längst verbreitete und oftmals recht schnöde Maki-Rolle, sondern vor allem um das Gefühl, das die japanische Küche erzeugt, das viel mit der Kombination unterschiedlicher Geschmacksnoten zusammenhängt. Umami nennt sicht dieser 5. Geschmacksinn. Es ist also klar, dass ich mich auf jedes japanische Restaurant stürze, das irgendwo seine Türen öffnet. Und so entere ich auf der Suche nach Umami das Usagi im schönen München. Und nehme euch mit.

Meinen Besuch im Usagi zu planen, war gar nicht so einfach. Ich bin schließlich nur kurz auf der Durchreise in meiner schönen Heimatstadt an der Isar, bevor ich wieder in mein geliebtes Berlin zurückkehren werde.

 

Philipp Jüngling jedoch, der Inhaber der japanischen Kneipe (auf japanisch auch Izakaya genannt), ist der unkomplizierteste Mensch ever. Wir verabreden uns super spontan zu einem sehr feinen Abend: ich alleine am Tresen. Nichts könnte schöner sein. Ich bin eine große Freundin dieser Tresenplätze, denn von denen aus kann man schließlich am besten sehen, was einem da eigentlich kredenzt wird, und sich gleichzeitig in Ruhe mit Philipp über sein Konzept unterhalten.

 

Eine meiner ersten Fragen, mit denen ich Philipp die kommenden zwei oder drei Stunden Löcher in den Bauch fragen werde (wovon er an dieser Stelle noch nichts ahnt), hat natürlich mit Japan zu tun: „Philipp, sag mal, was bedeutet denn eigentlich Usagi?“ Philipp, routiniert in dieser Antwort, streckt mir seine Handfläche mit dem tätowierten Logo des Usagi hin: ein kleiner Kreis in einem großen Kreis. Er sagt: „Bettina, was siehst du da?“ Ich sehe Kreise. Philipp: „Das ist ein Hase von hinten“. Jetzt sehe ich den Hasen mitsamt Bommelschwänzchen. Usagi „兎“ heißt also Hase, Kaninchen.

 

Falls es jemals ein Eis zwischen Philipp und mir sowie seinem Barkeeper Toni gegeben hat, schmilzt es in den ersten Sekunden. Während ich einen fantastischen Yuzu Mai Tai trinke, gucke ich fasziniert auf mixende und rührende Hände, starre auf flambierende Geräte und wünsche mir, ich hätte alle diese Köstlichkeiten für mich bestellt, die da über den Tresen wandern. Gott sei Dank sagt Philipp:  „Geht gleich los“, und zwinkert mir zu. Ich gedulde mich.

Es dauert wirklich nicht lange, und schon werden mir diverse kleine Teller vor die Nase gestellt. Es gibt: köstlich scharf-saures Kimuchi, Spinatsalat mit Sesamsoße (Horenso Gomae), eine gegrillte und mit Miso glasierte Aubergine (Nasu Dengaku), Takoyaki (kleine Teigbällchen mit einem Stück Oktopus in der Mitte), wundervolles Tataki (ganz kurz angebratener Thunfisch), scharf marinierte rohe Gambas (spicy Ebi) und karamellisierten Schweinebauch (Buta Karameru). Itadakimasu! oder auch Guten Appetit!

 

Ich esse sicher für fünf Leute und schlemme mich durch die ganze Karte. Philipp sagt, das stimmt nicht, aber ich bin mir recht sicher: das stimmt. Wahrscheinlich ist er nur höflich. Die Auswahl im Usagi ist wirklich groß, denn neben der Standardkarte gibt es noch die wechselnden Tagesgerichte auf der Kreidetafel. Es ist ein bisschen wie im Schlaraffenland, in dem der Fluss der kleinen Schälchen und Teller einfach nicht versiegen will. Je mehr ich esse, desto mehr erscheint, und ich liebe einfach alles.

 

Mein absoluter Favorit unter den herzhaften Tellerchen: Ein Yellowtail Sashimi mit einer Soße aus Olivenöl und Zitrone, garniert mit Shisokressensprossen. Ein göttliches Zusammenspiel aus weich schmelzendem buttrigem Fisch, der Säure der Zitrone, der Milde des Olivenöls und der Schärfe der Shiso. Das ist nicht besonders japanisch, das ist Jüngling-Style, und einfach richtig lecker. Denn, so erklärt Philipp mir, die starre Denk- und Kochweise der Japaner sei ihm ein bisschen zu festgefahren. Er möge es einfach, wenn man Kreativität beim Kochen entfalten kann. „Dann entstehen richtig gute neue Dinge, weißt du?“ Ich nicke zustimmend. Wer solche Dinge mit Kreativität und Freiheit erschaffen kann, punktet bei mir hoch.

„Ich war noch nie in Japan.“, sagt Philipp.

Auf eine meiner nächsten Fragen, nämlich wie oft er eigentlich schon in Japan war, lächelt Philipp nur verschmitzt. Er scheint auch diese Frage nicht zum ersten Mal zu hören. „Noch nie!“, sagt er. Ich glaube ihm nicht. Die ganze Karte ist auf Japanisch, alles in der kleinen Izakaya sieht genauso aus wie in den Izakayas in Japan, und der Laden ist auch genauso brechend voll. Philipp erklärt mir, dass er vor allem in New York ganz oft in verschiedensten japanischen Restaurants gegessen hat. Dort hat er sich seine Inspiration geholt. In Japan isst man vor allem Omakase, das bedeutet so viel wie: „Es sei dir überlassen.“ Man isst, was am heutigen Tag im Angebot ist und der Chefkoch (oder die Chefköchin) für die beste Wahl hält. Wenn ihr so wollt, esse also auch ich an diesem Abend Omakase.

 

Und mein Chefkoch Philipp hat ein hervorragendes Händchen für meinen Geschmack und meine Vorlieben, die ihm eigentlich gar nicht bekannt sein können. Ich zweifle, als er mir als Nachtisch ein frozen cheesecake Mochi und eine Kugel schwarzes Sesameis vor die Nase stellt. Aber auch dieser Nachtisch ist wirklich der Wahnsinn. Vor allem das Mochi ist ein Hochgenuss für meinen Gaumen. Es schmeckt nach echtem Cheescake, es ist weich, es ist kalt, es ist angetaut zartschmelzend und einfach so lecker. Halleluja.

In Japan isst man vor allem Omakase, das bedeutet so viel wie „Es sei dir überlassen“.

Ich sitze an diesem Abend noch lange am Tresen, beobachte die anderen Gäste, die eifrig eilenden Kellner*innen und die fleißig rührenden und flambierenden Hände. Schon ein toller Laden, dieses Usagi. Irgendwie so authentisch, obwohl ich jetzt gar nicht mehr weiß, auf welcher Grundlage. Wahrscheinlich ist es einfach Philipp, der hier sich selbst verwirklicht. Philipp, der den ganzen Laden mit seinem Schlosser-Papa selbst gebaut hat. Philipp, der sein ganzes Herz diesem Hasen widmet, und das so viele Tage und Stunden jede Woche. Philipp, der schon in seiner Ausbildung in der Schweiz immer alles gegeben hat. Philipp, der hier einfach ganz und gar er selbst ist.

 

Mit viel Wärme im Herzen und einigen Cocktails im Blut, schlendere ich beseelt in Richtung U-Bahn und nach Hause. AN diesem Abend war ich nicht wirklich in München, aber auch nicht richtig in Japan. Es muss ein anderes Universum gewesen sein. Oishikatta deshita! Das war fantastisch lecker.

Info

Usagi

Thalkirchner Straße 16
80337 München

Öffnungszeiten:
Mo – Do: 17:30 – 00:00
Fr und Sa: 17:30 – 01:30
So: 17:30 – 22:30

Thalkirchner Str. 16, München, Deutschland

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