Im Münchner Westen, Stadtteil Freiham, soll in den nächsten 20 Jahren ein 250-Fußballfelder großes Wohngebiet für rund 20.000 Menschen mit Wohnblöcken, Bildungscampus und Quartierszentrum entstehen. Bis der Beton die Oberhand gewinnt, setzt die Stadt München auf integrative, grüne Zwischennutzungskonzepte wie den Freiluftsupermarkt. Was sich hinter diesem ungewöhnlichen Projekt verbirgt, verraten wir Dir hier.

Die Idee

Tomaten werden aus Spanien und Italien eingeflogen und Erdbeeren kommen aus Holland – Wer die Herkunft seiner Lebensmittel genau wissen möchte, muss sie selbst anbauen. Doch viele Münchner haben zuhause keinen Platz dafür. Hier kommt der Freiluftsupermarkt ins Spiel. Denn in Freiham kannst Du Obst, Gemüse und Kräuter selbst ernten. Die Zielgruppe findet sich jenseits der passionierten StadtgärtnerInnen und treuen Gemüsekisten-AbonnentInnen: im Vordergrund steht die spontane Lust am bewussten Selber-Ernten.

So entstand das Projekt „Freiluftsupermarkt“

Der Grundgedanke des Freiluftsupermarktes stammt aus dem sogenannten „Agropolis Projekt“. Damit hatte das Münchner Planungsbüro „bauchplan“ 2009 den Open Scale Wettbewerb gewonnen, dessen Ziel die Erarbeitung zukunftsweisender Ideen für die Münchner Stadtentwicklung war. Die Idee hinter Agropolis: Eine grüne Stadt samt eigener Nahrungsmittelproduktion. Im Jahr 2015 wurde dann ein Teil des Projekts in die Tat umgesetzt: Der Freiluftsupermarkt. Das Team hatte sich für dieses Projekt entschieden, um dem, von Ackerflächen geprägten, Ort ein neues Gesicht zu verleihen. Darüber hinaus wurde hier auch ein integrativer Ansatz verfolgt. Die Anwohner sollten von Anfang an miteinbezogen, in Kontakt mit ihrer Nachbarschaft gebracht werden und dabei einen Zugang zur Nahrungsmittelproduktion bekommen.

Ein riesiges Feld muss beackert werden

Anfangs gab es nur ein Feld. Mit Schülern, Freiwilligen und Flüchtlingen wurde dann im Jahr 2016 ein Feld angelegt. Der Boden wurde bearbeitet und die Pflanzen eingesetzt. Auch eine Bühne und ein Werkzeugcontainer kamen später dazu. Das Ganze geschah in Gemeinschaftsarbeit, zum Beispiel mit dem Jugendtreff oder HelferInnen der Unterkunft für Schutzsuchende. Jeder, der wollte, konnte hingehen und ernten. Der Freiluftsupermarkt hat keine festen Öffnungszeiten. Durch die frühzeitige Einbindung verschiedener Institutionen waren immer genügend Helfer zur Pflege in der Anlage anwesend, die sich im Gegenzug etwas mitnehmen durften.

Jeder, der wollte, konnte hingehen und ernten

Weitere Freiluftsupermärkte geplant

Neben dem Pilotprojekt in Freiham sollen weitere Freiluftsupermärkte entstehen. Die Anforderung: Sie sollen in erster Linie gut erreichbar sein – egal, ob mit dem Rad, ÖPNV oder PKW. Von der Kartoffelkiste, der stählernen Milchkuh bis zum Blumenpflückfeld soll hier alles kompakt arrangiert und direkt verfügbar sein. Der umgreifende Marktplatz fungiert als Drehscheibe für Organisation, Information und Veranstaltungen.

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