Weihnachtsfeier, Silvesterparty, Neujahrsempfang: Zur Jahreswende werden wir mit ausgiebige Schlemmerevents gerade zu überschüttet. Ob gemütlich, wohlig, warm im Eigenheim oder bestens umsorgt im Restaurant, jagt ein Genussmoment den nächsten. Für uns ist diese Zeit die Krönung des Jahres. Für Obdachlose hingegen eine der schwierigsten.

Kalte Temperaturen, Schnee und Dunkelheit machen das Leben auf der Straße im Winter nochmal eine ganze Spur härter. Und das Bedürfnis nach Hilfe größer. Deshalb ruft die Aktion Hilf Mahl! im Winter die ganze Stadt zum Engagement für Obdachlose auf. Wie ihr mitmachen könnt? Ganz einfach: Geht in einem teilnehmenden Restaurant essen.

Dass der Wohnungsmarkt in München kein Zuckerschlecken ist, ist kein Geheimnis. Doch während viele mit dem Hinweis auf eine sogenannte „Wohnungsnot“ den Mangel an Wohnungen in Szenevierteln und Altbauwohnungen kritisieren, gibt es auch immer mehr Menschen in München, die tatsächlich unter Wohnungsnot leiden. Menschen nämlich, die die Brücken, Straßennischen und Hinterhöfe zu ihrer Wohnung erklären. Obdachlose. Seit 2008 hat sich die Zahl der Wohnungslosen in München verdreifacht. Die SZ prophezeite im Sommer einen Anstieg auf 9000 bis Ende 2017. Höchste Zeit, etwas dagegen zu tun.

Als Sophie und Mathias Bach vor einigen Jahren in der Vorweihnachtszeit in einem Londoner Restaurant auf ihr Essen warteten, fiel ihr Blick auf einen kleinen Flyer. Dieser wies auf ein Projekt namens „Streetsmart“ hin, das in Restaurants zu Spenden für Obdachlose aufrief. Das Prinzip: Zu jeder Rechnung wird automatisch 1£ addiert, der später direkt an die Wohnungslosen der Stadt weitergegeben wird. In London wird diese Aktion bereits schon seit 1998 jeden Winter durchgeführt. In Deutschland startete das Projekt einige Jahre später auf Initiative der Entdecker selbst in Hamburg. Vor knapp drei Jahren riefen Dr. Hanna Eisinger und Anna Kraft das Hilf Mahl! in München ins Leben.

Die deutsche Variante des Obdachlosen-Projekts funktioniert sehr ähnlich wie das Londoner Original. Beim Essen in einem der teilnehmenden Restaurants findet ihr auf der Rechnung neben euren Speisen und Getränken einen Spendenbeitrag von 1 Euro. Dieser wird zu 100% an Organisationen weitergeleitet, die sich gegen Obdachlosigkeit in München einsetzen. Muss der Euro gezahlt werden? Nein. Wie es sich für eine Spende gehört, ist die Zahlung freiwillig. Ein Hinweis ans Personal genügt und der Euro wird von der Rechnung gestrichen. Und so wie der Spendenbeitrag reduziert werden kann, kann er natürlich auch erhöht werden.

Nach nur zwei Jahren Laufzeit ist das Hilf Mahl! in München schon beeindruckend weit verbreitet. Nicht zuletzt, weil die Münchner Bevölkerung sehr gerne essen geht, konnten Dr. Hanna Eisinger und Anna Kraft in den ersten beiden Jahren bereits über 160.000 Euro an Spenden für Obdachlose sammeln. Über 20 Restaurants verschiedenster Küchen und Preisklassen beteiligen sich auch in diesem Jahr an dem Projekt. Darunter finden sich zahlreiche und beliebte Locations wie der Alte Hof, die Schwarzreiter Tagesbar, das Tian und das Kim & Co. Ob das Restaurant, das ihr gerade besucht, an der Aktion teilnimmt, erkennt ihr an einem blauen Kärtchen auf dem Tisch, welches das Hilf Mahl! Konzept kurz und knapp erklärt und auf die freiwillige Spende hinweist.

Die Aktion Hilf Mahl! beweist einmal mehr, dass schon kleine Gesten großes Bewirken können. Ein Euro auf das Menü drauf zulegen, tut keinem weh und dafür vielen gut. Wir finden die Idee klasse und würden sagen: Wenn ihr in den nächsten Wochen nicht wisst, wo ihr essen gehen solltet, haltet Ausschau nach den blauen Kärtchen. Noch bis Ende Februar könnt ihr dort beim Restaurantbesuch einen Beitrag gegen Obdachlosigkeit leisten.

#hilfmahl#muenchen#winter