Die Demonstrationen der letzten Wochen haben es gezeigt: (Systemischer) Rassismus ist kein Thema, das nur in den USA eine Rolle spielt, auch wenn die Black Lives Matter-Proteste aus den Vereinigten Staaten die Debatte über die Aufarbeitung rassistischer Geschichte und den aktuellen Umgang mit BIPOC (Black Indigenous People of Color) noch einmal angestoßen haben. Die Diskriminierung vieler Menschen und Gruppen aufgrund ihrer Hautfarbe oder Herkunft passiert auch hier bei uns, jeden Tag, immer wieder. Um zu verstehen, wie wichtig dieses Thema ist, müssen wir uns mit den Problemen und Herausforderungen beschäftigen, gerade auch als Nicht-BIPOC.

 

Wir stellen Euch 7 Quellen vor, die bei der Auseinandersetzung, dem Umgang mit und der Vermeidung von Rassismus und rassistischen Strukturen helfen.

1 #1 Race for Profit

Rassismus geht häufig viel tiefer als zwischenmenschliche Auseinandersetzungen: Race for Profit berichtet darüber, wie der US-amerikanische Housing and Urban Development Act von 1968 rassistische, ausbeuterische Hypothekenvergabepraktiken entgegen aller Versprechungen nicht verhindern konnte. Da diese Entscheidungen die Aufstände der 1960er Jahre eigentlich beruhigen sollten, dienen sie als Mahnung, wachsam zu bleiben, wenn politische Entscheidungsträger Veränderungen versprechen. Ein super spannendes Buch mit ebenso vielen Schockmomenten wie Anlass zum Kopfschütteln. Und zurecht im Finale für den Pulitzer-Preis 2020 in der Rubrik „Geschichte“.

2 #2 I Am Not Your Negro

Auch wenn James Baldwin die Black Lives Matter-Bewegung nicht mehr miterleben darf: Die Erfahrungen, von denen er in „I Am Not Your Negro“ erzählt, sind heute genauso prägnant wie damals. Die Geschichte erzählt von dem Kampf für Gleichberechtigung, den POC sowohl zu Zeiten der Bürgerrechtsbewegung als auch während der Proteste um Black Lives Matter führten. Erzählt vom einzigartigen Samuel L. Jackson ist der Film rührend und schockierend zugleich.

3 #3 Teach Us All

Mehr als 60 Jahre nach Brown v. Board of Education sind die amerikanischen Schulen immer noch weitestgehend nach Hautfarbe und Herkunft segregiert. „Teach Us All“ erklärt, warum das so ist – Schulwahl, Wohnsegregation, voreingenommene Zulassungsverfahren – und spricht mit Menschen, die sich für Veränderungen einsetzen. Der Dokumentarfilm enthält Interviews von zwei Mitgliedern der Schule Little Rock Nine, benannt nach den ersten neun afro-amerikanischen Schüler*innen, die 1957 auf die gleichnamige öffentliche High School in Arkansas gehen durften, und fragt, wie weit wir wirklich gekommen sind.

4 #4 Intersectionality Matters!

Moderiert von Kimberlé Crenshaw, einer führenden rassenkritischen Theoretikerin, die den Begriff „Intersektionalität“ geprägt hat, bringt der Podcast „Intersectionality Matters“ die akademische Perspektive in die Diskussion um Rassismus. Intersektionalität liegt vor, wenn in einer Person mehrere Merkmale zu verschiedenen parallelen Formen von Diskrimierung führen, so zum Beispiel oft vorkommend bei WOC (Women of Color), die von Sexismus und Rassismus betroffen sind. Jede Episode des Podcasts bringt politische Aktivist*innen, Journalist*innen und Schriftsteller*innen zusammen und sorgt so für spannende Gespräche und politische Diskussionen auf höchstem Niveau.

5 #5 Whose Streets?

Die Ermordung des 18-jährigen Michael Brown durch die amerikanische Polizei im Jahr 2014 in Ferguson, Missouri, war einer der Todesfälle, welche die Black Lives Matter-Bewegung auslösten. Frustriert von der Medienberichterstattung über die Unruhen in Ferguson dokumentierten die Co-Direktor*innen Sabaah Folayan und Damon Davis in „Whose Streets?„, wie die Einheimischen sich gefühlt haben, als die Polizei ihren friedlichen Protesten mit Krawallanzügen und Tränengas ein brutales Ende bereiteten.

6 #6 Dear White People

Dear White People ist eine satirische Darstellung von Rassenbeziehungen und schwarzer Identität an der fiktiven Ivy-League-University „Winchester University“, die schon seit einiger Zeit auf Netflix zu sehen ist. Auch wenn die Rassentrennung in den USA offiziell natürlich aufgehoben ist, sind die Ivy League Colleges auch noch heute extrem weiß dominiert. Deshalb kämpfen die Student*innen über vier Staffeln um Gleichberechtigung und die Anerkennung ihrer Kultur im weißen Elite-College-System der USA.

7 #7 Warum sitzen die schwarzen Kinder alle zusammen in der Cafeteria?

Warum sitzen die schwarzen Kinder alle zusammen in der Cafeteria“ ist ein Klassiker über die Psychologie des Rassismus. 2017, 20 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung, wurde das Buch neu aufgelegt – denn die Inhalte sind heute noch genauso aktuell wie eh und je. Indem sie direkt über Selbsttrennung und Ungleichheit in Schulen spricht, zeigt Beverly Daniel Tatum, wie wichtig der offene und kritische Dialog über die Rassenproblematik ist – und zwar schon im Kindesalter.