Wer in München nach polnischer Hausmannskost suchte, der suchte lange Zeit vergeblich. Seit einem guten halben Jahr ist nun das Babuni im Münchner Westend zu finden und hier lässt es sich wirklich futtern wie bei Großmuttern – allerdings modern und nachhaltig interpretiert.

Im Babuni, was übersetzt so viel wie „Oma“ bedeutet, gibt es traditionelle polnische Gerichte für jeden Geschmack und wo „polnisch“ drauf steht, da dürfen natürlich vor allem die Pierogi nicht fehlen. Neben anderen polnischen Gerichten sind die lecker gefüllten Teigtaschen im Babuni die größte Spezialität.

Als wir zu Kinga in ihr Café kamen, waren wir noch echte Neulinge, was die polnische Küche betrifft, und so verließen wir uns ganz auf ihr kulinarisches Know-how. Kredenzt bekamen wir das Menü, das mit einer quietschpinken Rote Beete Suppe startete. Die kalt servierte Vorspeise passte perfekt zu den sommerlichen Temperaturen und schmeckte mindestens so frisch und lecker, wie sie aussieht. Der Hauptgang bestand anschließend aus fünf unterschiedlich gefüllten Pierogi, serviert mit angebratenen Zwiebeln, Sauerrahm und einem kleinen Rohkostsalat.

Die Teigtaschen, die etwa mit Ravioli oder Maultaschen zu vergleichen sind, bestehen hier aus einer leichten Weizenmehlmischung, die jeden Tag von der Köchin frisch zubereitet wird. Und weil die Betreiberin des Tagescafés weiß, dass ihre polnischen Gäste von nah und fern besonders die vertrauten Gerichte lieben, steht die klassische Pierogi-Variante „Ruskie“, die mit einer würzigen Mischung aus Kartoffeln und Frischkäse gefüllt sind, im Babuni täglich auf der Speisekarte. Und auch das deftige Krautgulasch namens „Bigos“ wird hier ganz traditionell mit Speck und polnischer Wurst zubereitet. Doch abgesehen davon liebt Kinga es, mit bekannten und neuen Zutaten herumzuexperimentieren. Uns schmeckten bei unserem Besuch zum Beispiel die Pierogi mit Linsen-Pilz- und Kohl-Füllung am besten. Das Tolle ist: Die herrlich weichen Teigtaschen sind für nahezu jeden Ernährungstypen perfekt geeignet. Im Babuni braucht es für den Teig nur Mehl, Wasser und eine Prise Salz – sonst nichts. Das Grundrezept ist somit von Haus aus vegan. Auch Konservierungsstoffe oder Geschmacksverstärker haben in unserem Essen nichts zu suchen, findet Kinga, und deshalb wird in ihrer Pierogeria, wie sie das Café auch vielversprechend nennt, alles frisch und von Hand zubereitet. Ebenso wichtig ist ihr die Verwendung saisonaler Produkte. So kommen beispielsweise in ihre derzeit angebotenen süßen Pierogi nur original polnische Wildheidelbeeren, die ihr Vater eigens aus der alten Heimat mitgebracht hat. Auf der aktuellen Wochenkarte sind stets Gerichte zu finden, die zur jeweiligen Jahreszeit passen. Ob süß gefüllt mit Backpflaumen oder Äpfeln und Zimt oder herzhaft mit Kürbis oder gerne auch mal angebraten auf dem Sommersalat – die polnische Spezialität ist extrem vielseitig.

Nur ein Jahr ist es her, da arbeitete Kinga, die mit neun Jahren aus Polen nach Deutschland kam, noch in einer Agentur für digitalen Content. Um sich ihren Traum von einem eigenen Café zu erfüllen, kündigte die zweifache Mutter und tüftelte zunächst einige Monate an einem passenden Konzept. Zu ihrem Laden in der Landsberger Straße kam sie dann eher durch Zufall. Nachdem das zuvor an diesem Ort betriebene Café geschlossen wurde, wollte sie eigentlich nur schauen, ob sie dem vorigen Betreiber eine Kaffeemaschine oder Dergleichen abkaufen könne. Die Eigentümerin war von Kingas Gastrokonzept jedoch auf Anhieb überzeugt. Und so konnte die gebürtige Polin ihr Café innerhalb von nur zwei Wochen eröffnen.

Ich hatte extrem viel Glück mit meinen Mitarbeitern, die selbst alle polnisch sprechen.

Inzwischen ist die Kundschaft des Bubani so bunt wie der Laden selbst. An manchen Tagen ist das Verhältnis von polnischen zu Kunden anderer Nationalitäten fünfzig zu fünfzig, berichtet Kinga. Besonders spannend findet sie aber, dass auch viele amerikanische Touristen zu ihr ins Café kommen. Aus wirtschaftlichen und politischen Gründen und vor allem als Folge des Zweiten Weltkrieges schwappten innerhalb des letzten Jahrhunderts immer wieder sogenannte Auswanderungswellen von Polen in die USA. Statistiken zufolge haben heute knapp 9,8 Millionen Menschen der US-amerikanischen Bevölkerung polnische Wurzeln oder besitzen noch immer die polnische Staatsbürgerschaft. Da liegt es nahe, sich mit seinem kulturellen Erbe auseinandersetzen zu wollen. Und wie geht das besser als durch typisch polnische Köstlichkeiten?

Um Gefallen am Babuni zu finden, muss man aber nicht unbedingt aus Polen stammen oder aus anderen fernen Landen eingereist sein. Das bunt eingerichtete Tagescafé im Münchner Westend ist für jeden geeignet, der seinen Magen von liebevoll per Hand zubereiteten Speisen wärmen lassen möchte – egal ob zum Frühstück, Mittag oder auch zur Kaffeezeit.

Info

Babuni Pierogeria & Café
Landsberger Straße 137
80339 München

089 74031159
www.babuni.cafe
hello@babuni.cafe

Öffnungszeiten
Di-Fr: 09.00-16.00 Uhr
Sa: 12.00-18.00 Uhr

Babuni Pierogeria & Café

Landsberger Straße 137, München, Deutschland

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