Im Herzen des belebten fünften Arrondissements (Le Marais), zwischen Panthéon und dem Jardin des Plantes, in einer klitzekleinen Seitenstraße mit dem schönen Namen Rue Tournefort, liegt das ebenfalls klitzekleine Lokal „Le Resto“, was auf Französisch umgangssprachlich einfach „Das Restaurant“ bedeutet.

So wenig einfallsreich der Name auch sein mag, so verbirgt sich hinter ihm doch ein echter kulinarischer Schatz, kredenzt von Jocelyne, Cyril und Maxime im Familienbetrieb. Das Restaurant betreten wir durch eine niedrige Holztür, innen erwarten uns grob-behauene Steinwände und schlichte Holztische in der typisch französischen Knie-an-Knie-Anordnung. Nein, Platz ist hier nicht viel, man muss es also wirklich familiär mögen. Dennoch, das Lokal hat Stil und Charme, ebenso wie die zauberhafte Jocelyne, die uns bedient. Sie geriert sich klar wie die Hausdame, ist dabei allerdings so liebenswert verschusselt und durch den Wind, dass man sie einfach mögen muss. Wenn ihr wieder ein kleiner Faux-pas passiert ist, kichert sie über sich selbst und bezieht den ganzen Gastraum in ihre Selbstgespräche mit ein.

Die Küche ist, Gott sei Dank, überhaupt nicht verschusselt. Sie nennt sich „cuisine du marché“, also eine Marktküche, die den Saisons folgt und zugleich innovativ und traditionell, bodenständig und gehoben ist. Ja, das geht. Die Karte ist kurz und wird auf einer kleinen Tafel an den Tisch gebracht – drei Entrées, drei Plats, drei Desserts. C’est tout. Das Oeuf Mollet, also ein weiches, pochiertes Ei, mit Seitlingen und Topinamburcreme ist einfach göttlich, ebenso wie das Tartar von der Seebarbe mit Zitrusdressing. Ein hervorragender Start, auch wenn Jocelyne natürlich unsere Vorspeisen fröhlich pfeifend zunächst an einen anderen Tisch bringt… und genauso geht es köstlich weiter: Jakobsmuscheln auf Sellerie-Endiviensalat, geschmorte Kalbsbacke mit Gemüse und Perlhuhn mit Maronen und Champignons – wenn es nur drei Hauptgerichte gibt, kann man ja auch alle drei essen, n’est-ce pas? Zum Abschluss teilen wir noch einen echten Dessert-Klassiker, eine Tarte au Citron mit Minze, die uns endgültig den Rest gibt. Alternativ hätte es, bien-sûr, auch eine Käseplatte gegeben, eine pochierte Birne auf Zitrussorbet oder ein Schokoküchlein. Die Tarte war aber eine gute Entscheidung, allein schon deshalb fahre ich so gern nach Frankreich…

Oeuf mollet aux pleurotes et crème de topinambour.

Nach dem Diner délicieux stehen wir noch mit Jocelyne auf eine Zigarette auf der Straße, sie ist sichtlich erschöpft vom Solo-Service des Abends, hat aber trotzdem Zeit für ein nettes Pläuschchen mit uns – nächste Woche hat sie Urlaub und fährt weg aus Paris, sie kann es kaum erwarten. Und wir? Wollen gar nicht weg aus Paris, finden es herrlich und trinken, lässig an das Restaurantfenster gelehnt, noch unser Glas Sancerre aus, bevor wir uns durchs Marais auf den Heimweg machen.

Info

 

Le Resto

8 Rue Tournefort

75005 Paris

Frankreich

 

http://www.lerestoparis.fr/

Tel: 0143371066

 

Öffnungszeiten

Dienstag – Samstag: 12.00-13.30 & 19.30-21.30

Rue Tournefort, Paris, Frankreich

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