Die Buttermelcherstraße im Gärtnerplatzviertel ist ein spezielles Pflaster. Mittendrin und doch nur dabei gibt es hier mit dem Déja Bu und der Niederlassung zwar zwei hippe Anlaufstellen für Weinliebhaber und Szenestreuner, aber so richtig rund ging es in der Seitenstraße des Gärtnerplatzes eigentlich nie. Bisher. Denn seit das Ménage hier seine Pforten geöffnet hat, hat der Trinkverkehr stark zu genommen.

Der erste Hingucker sind die Lettern „KB“ in Neonpink an der Wand. Denn geboren haben den Laden die Kinly Boys aus Frankfurt, und einige der Erfolgsrezepte aus dem Mutterschiff in Frankfurt mit nach München gebracht. Diese Boys sind Johannes Möhring und René Soffner, letzterer hat das The Kinly seit 2015 in Frankfurt groß gemacht und steht nun in der Ménage Bar hinterm Tresen. Johannes stieg in Frankfurt erst 2018 ein, zunächst nur finanziell, später dann auch inhaltlich. The Kinly Bar gab in den vergangenen Jahren den Ton an, was die Spirituosen- und Drinkkultur in Deutschland anging. Renés Mix-Künste und ein Händchen für eine ungezwungene Atmosphäre machten die Bar zum Szenetreff im Frankfurter Bahnhofsviertel, und einige Erfolgselemente des Frankfurter Modells haben es auch ins Ménage geschafft. Mit dieser Bar haben sich die beiden Kinly Boys in München einen gemeinsamen Traum erfüllt, der „ihnen vor die Füße gefallen ist“. Glaubt man Johannes, so führte vor allem die Ermutigung durch Freunde und Bekannte („Das müsst ihr machen!“) zum Projekt, und nun ist der Laden von Mittwoch bis Samstag voll, sodass man selbigen Freunden wohl keinen Vorwurf machen kann.

Ménage? Da denkt manch einer vielleicht gleich an den erotischen Traum einer Ménage à trois, einer Dreiecksbeziehung, aber das ginge hier zu weit. Wir sind ja immer noch in München. Gemeint ist vielmehr die üblichere Variante der Ménage à deux, einer klassischen Zweierbeziehung also, die sich hier gleich auf unterschiedlichsten Ebenen manifestiert: Zwei Typen, die den Laden schmeißen, der zweite Laden nach dem The Kinly, ein duales Konzept aus Essen und Drinks. Die Zweierbeziehung gibt konzeptionell eindeutig den Ton an, und darüber hinaus „klingt Ménage halt so ein bisschen nach München“, findet Johannes. Was meint er nur?

So ganz konsequent zieht sich das mit der „Zwei“ aber doch nicht durch, denn spätestens mit Luke Rogers, der in der Küche sein köstliches Unwesen treibt, sind die Jungs zu dritt. Luke kommt eigentlich aus dem Fine Dining und hat zuvor an Stationen wie dem Walter&Benjamin in der Rumfordstraße, dem Mural im Muca und dem Avva gekocht. Im Ménage offeriert er jetzt „kreatives Junkfood meets Fine Dining“, soll heißen Bar-taugliche Gerichte auf hohem Niveau, vom Oliven-Snack über den Wild-Burger bis zur gefüllten Wachtel. Erstaunlicherweise schmeckt das alles nicht nur einfach toll, sondern harmoniert auch hervorragend mit den Drinks. Das mag daran liegen, dass die Experimentierfreude und das Niveau beider Karten sich im Ménage auf Augenhöhe begegnen.

„Ménage klingt halt so ein bisschen nach München.“

Die neue, erweiterte Drink-Karte bietet nicht nur 15 Drinks à la Ménage, sondern wird mit Illustrationen von Carina Holtz auch selbst zum kleinen Kunst-Stück, dessen Arbeit und Qualität dem Konzept und Inhalt in nichts nachsteht. Das war der Anspruch.

Das Drink-Konzept aus dem The Kinly wird hier fortgeführt und adaptiert, denn man hat ja Erfahrungswerte… Progressivität, Experimente, ungewöhnliche Kombinationen und ein Fokus auf Aromen spielen die Hauptrolle. Ein klassischer Highball-Laden? Wäre für Johannes und René nicht infrage gekommen… Der Rotationsverdampfer, das Herzstück der Barausrüstung, läuft deshalb jeden Tag bis zum Betriebsbeginn am Abend, unermüdlich auf der Suche nach den reinsten Aromen und Extrakten aus Zutaten wie Erdnussbutter oder Minze. Diese Redestillate sind klar, fettfrei und pures Aroma, weshalb man geneigt ist zu sagen, die Signature der Bar ist nicht ein bestimmter Drink, sondern generell klare Drinks. Wer denkt, ein Drink auf Basis von Erdnussbutter und Bourbon kann keine klare Flüssigkeit werden, sollte sich vom „King clear“ eines Besseren belehren lassen!

„Dafür, dass wir uns das hier selbst ausgedacht haben, sieht es gar nicht so scheiße aus.“

So klar die Drinks auch ausgeschenkt werden, das Interieur ist dann doch sehr heimelig und gemütlich geworden. Die Jungs haben sich das selbst ausgedacht, also ohne Innenausstatter gearbeitet, und man möchte Johannes recht geben, wenn er sagt, „dafür sieht es gar nicht so scheiße aus.“ Nee, tut es nicht. Dunkles, warmes Petrol an den Wänden, viel Holz – der Tresen aus Kirschbaum und die zeitlose, aus dem Gamsei übernommene Rückwand in Eiche – dazu Messingelemente und ein paar Grünpflanzen. Die Atmosphäre wirkt stimmig, intim und cosy, wie eine Szenebar und nicht wie ein Fine-Dining-Lokal – weiße Tischdecken wären ein No-Go.

So bleibt das Ménage atmosphärisch eine Bar, auch wenn in Essen und Trinken in Zukunft die Bühne teilen sollen. Dass das Ménage hier eine Zukunft hat, wagt man nicht zu bezweifeln, während man noch einen Schluck seines klaren Mojitos nippt und eine Raucholive snackt.

Info

Ménage Bar

Buttermelcherstraße 9
80469 München
089 23232680

Buttermelcherstraße 9

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