Aufmerksamen Augen ist sicher schon aufgefallen, dass es in der Alten Schönhauser Straße seit Sommer einen neuen, kleinen schwarzen Noren (das ist ein japanischer Kurzvorhang, der Eingänge zu verschiedensten Räumen verdeckt) gibt, unter dem man sich durchducken kann.

Wer sich das traut, entdeckt eine fabelhafte kleine Welt, die von außen kaum zu erahnen ist und die man in Berlin sicher noch nicht gesehen hat: Das Interieur im Berliner JABE ist dunkel, kleine Tische in angenehmen Abständen geben viel Privatsphäre, ohne dass man sich zu abgegrenzt von den anderen Gästen fühlt; Alles ist elegant ausgeleuchtet und es gibt Minibonsais auf jedem Tisch.

 

Ich fühle mich sofort wieder wie in Japan – und wir alle wissen, wie sehr ich dieses Land verehre und so oft seine kleinen Besonderheiten und Eigenarten vermisse.

Uns begrüßt Ayaka Kamada, die Restaurantmanagerin und Teamleiterin des JABE, in perfektem Englisch und in einzigartiger japanischer Manier. Es ist offensichtlich und sofort zu erkennen, dass sie Japanerin ist. Denn Ayaka ist – genau wie ihre japanischen Kolleginnen und Kollegen – von einer so unglaublich eleganten, höflichen und bedachten Aura umgeben, dass es mich umhaut. Das habe ich bis jetzt einfach nur in Japan erlebt: diese Art, sich zu bewegen, diese Eleganz, diese Hingabe. So schön.

So viel zu meiner Schwärmerei für das japanische Volk und seine Eleganz und Eloquenz im Allgemeinen.

Weiter zur Geschichte des Restaurants: Der Name JABE ist eine Kombination aus den beiden Worten Japan und Berlin. Der Besitzer, Duc Nguyen, der so manchen Gastro-Stern am Berliner Himmel erleuchtet hat, hat sich auf einer Japanreise vor rund 1.5 Jahren in das Land und dessen Gerichte verliebt und wagte sich danach an ein großes Projekt: die japanische Küche mit ihrer ganzen Qualität und Rafinesse in ein Restaurant in Berlin mitzunehmen. (Vorab schon mal: Im JABE gelingt das fantastisch.)

Mitgenommen hat Duc auch – wie er uns bei einem freundschaftlichen Plausch nach ein paar Tätschlern auf unsere Schultern erzählt – das gesamte Team des Lokals.

 

In Japan herrscht eine vollkommen andere Arbeitskultur als bei uns: die Menschen arbeiten in fast allen Branchen quasi 24/7. Es gibt keine richtigen Wochenenden und Freizeit oder Feierabend sind Begriffe, mit denen man in Japan nicht wirklich viel anfangen kann. Ist die Gesellschaft doch so kollektivistisch, dass niemand wagt, die Arbeit einzustellen – denn (!) man könnte ja noch gebraucht werden, um der Gesellschaft etwas Gutes zu tun.

Das ist schwierig. Sowohl für den japanischen Nachwuchs (der quasi nicht existent ist), als auch für das gesundheitliche Wohl aller arbeitenden Japaner.

Glücklicherweise aber scheint vor allem die jüngere Generation der Bevölkerung zu realisieren, dass der work-load, den die Gesellschaft einem da aufoktroyiert, keineswegs gesund sein kann und dass Arbeit in einem Menschenleben nicht alles ist. Duc hatte also keine großen Schwierigeiten, Fans für sein japanisches Projekt in Berlin zu finden und hat mithilfe einiger Freunde das gesamte Team eingepackt und in einen anderen Alltag nach Berlin verfrachtet. Da wären zum Beispiel eben Ayaka, dann Chefkoch Shinji Ikeda, Sous-Chef Takahiro Kurata und Barchef Arino Junya, die allesamt mit meisterlichem Können in ihrem Handwerk glänzen.

„Wir wollen der neue Lieblingsjapaner der Berliner sein!“

Auch das Interieur des Ladens erscheint mir nicht ohne Grund so verdächtig japanisch, denn das ist es natürlich auch. Star-Designer Shun Kawakami hat gemeinsam mit der Lichtmanufaktur Njebo aus Berlin das Innere des Lokals entworfen und lasst euch sagen: das ist einfach wundervoll minimalistisch, toll ausgeleuchtet und wahnsinnig nüchtern in einer so gemütlichen Art und Weise (Geht hin!).

 

Duc bestellt für uns die Speisekarte hoch und runter (wir bleiben heute vegetarisch – ist für ihn aber kein Problem – die Karte ist vielfältig) und wir teilen zu dritt alles, was am Tisch zu haben ist. So macht man das in Japan eigentlich immer: teilen. Selbst Gerichte auf großen Tellern werden von jedem Anwesenden elegant mit Stäbchen ein bisschen zerpflückt und dann auf den eigenen (kleinen!) Teller gehoben und genüßlich gegessen. Mhhhh! Ich liebe diese Ruhe und Achtsamkeit.

 

Wir essen diverse Köstlichkeiten – Was mir aber besonders im Gedächtnis bleibt und für das ich jederzeit wieder ins JABE sprinten würde, sind diese Dinge:

 

Spinach Truffle Salad: ein herrlicher Babyspinatsalat mit geriebenem Trüffel oben drauf und einem so leckeren Dressing, dass einem das Wasser noch Tage später im Munde zusammenläuft!

Kitsune Udon: Udon-Nudeln (lecker!) in unglaublich feiner vegetarischer (!) Brühe mit Tofu und Pak Choi, sowie Tempura-Flocken. Ich liebe Udon und dieses Gericht ist von Duc long time erprobt und verfeinert worden – mehr muss ich dazu nicht sagen.

Avocado Kimuchi Bowl: Reisschale mit Avocado, verschiedenen Gemüsesorten, Pickles (mhhhhhh!!!) und Sojabohnen (zumindest glaube ich, dass es Sojabohnen gewesen sein müssen) – In diese Schale könnte ich mich reinlegen!

Matcha-Cheesecake: without words.

Außerdem probieren wir noch diverse Kleinigkeiten wie einen herrlichen, marinierten Seidentofu, gegrillte Wachteleier, glasierte Maiskolben (mh mh mh! lecker) und frittierte vegetarische Sushi-Rolls, die auch unglaublich fein sind.

Alls in allem muss man sagen, dass Ducs Mission definitiv mission accomplished ist. So fein abgeschmeckt und japantreu habe ich in Berlin noch nie gegessen. Und das wohlbemerkt auch noch vegetarisch (was in Japan beinahe einer Unmöglichkeit gleicht)!

Fäntastic!

In diese Schale könnte ich mich reinlegen!

Info

JABE

Alte Schönhauser Straße 7-8
10119 Berlin

Website

Öffnungszeiten:
Mo – Fr: 11:30 bis 16:00 und 17:00 bis 22:00 Uhr
Sa 12:00 bis 23:30 Uhr
So 13:00 bis 21:30 Uhr

JABE

Alte Schönhauser Straße 7-8, Berlin, Deutschland

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