Pizza, Pasta, Bruscetta und Carpaccio: Leckereien wie diese sind es, die einem bei der italienischen Küche als erstes in den Sinn kommen. Dass Italien aber auch ganz anders schmecken kann, beweist Michela Vincenzi. Im Sclupet, ihrem kleinen Restaurant nahe der Münchner Freiheit, gibt sie einen kulinarischen Einblick in ihre Heimat, das alpine Bormio.

Neben Klassikern wie Lasagne und Tiramsù stehen vor allem Gerichte auf der Karte, die aus Radicchio, Polenta oder Buchweizen zubereitet werden. Zutaten wie diese sind typisch für die Gegend, in der die Tage im Sommer sehr warm, aber die Nächte auch mindestens ebenso kalt sind. Der steinige Bergboden schafft schwere Bedinungen für das Anbauen für Tomate, Weizen und Co. Deshalb hat das Sclupet mit der italienischen Küche nur wenig am Hut. Aber jedem, der mag, erzählt Michela gerne, welche Besonderheiten hinter den Lebensmittel stecken, die sie für ihre norditalienischen Gaumenfreuden verwendet. Und mit ganz viel Glück darf man sogar einmal an der Gewürzmischung schnuppern, deren geheime Zusammensetzung sie von ihrer Mutter geerbt hat.

Das kleine Dorf, aus dem Michela stammt, liegt 1225 Meter hoch in den Bergen etwa 80 Kilometer vom beliebten Skiort St. Moritz entfernt. Und obwohl zwischen ihrem Heimatort und München nicht einmal dreihundert Kilometer liegen, kann die Fahrt gut und gerne fünf Stunden lang dauern. Alle sechs Wochen macht Michela sich dennoch mit dem Auto auf den Weg in die italienischen Alpen, denn etwa so lange halten ihre Vorräte. Zurück am nördlichsten Zipfel Italiens steht dann auch nicht selten ein Besuch bei Chantalle und Fiore auf dem Plan. Michela hat für die beiden Kühe, von deren Alm sie Käse und Butter bezieht, kurzerhand die Patenschaft übernommen. Damit leistet sie einen großen Beitrag für ein sehr, sehr glückliches Weidenleben. Mindestens sechs Monate im Jahr stehen die beiden draußen. „Ohne Milch geht es nicht, doch mir war es wichtig, die Tiere nicht auszubeuten“, erklärt mir die Inhaberin bei meinem Besuch.

In dem kleinen Restaurant übernimmt die Chefin vom Kochen bis hin zur Bedienung alles alleine. „Mir ist es lieber, meine Gäste warten zehn Minuten länger und bekommen dafür alles frisch und von Hand zu bereitet“, sagt sie im Gespräch. Tatsächlich dauert es aber nur ein paar Minuten, bis sie mir stolz die Spezialität des Hauses kredenzt: Pizzocheri. Die Bezeichnung, die so viel wie „in Stückchen“ bedeutet, steht für die typisch alpinen Buchweizennudeln – natürlich hausgemacht und mit Alm- und Bergkäse, Mangold, Kohl und Salbei serviert. Passend dazu reicht sie mir einen Weißwein namens Zapel, ein Cuvée aus Sauvignon Blanc und Rainoldi, die Sorte des Hauses und natürlich original von einem der besten Winzer aus dem Tal Valtellina. In München ist das Sclupet das einzige Restaurant, in dem es dieses kulinarische Erbe Norditaliens zu finden gibt. Und darauf ist Michela sichtlich stolz.

Selten habe ich eine Gastronomin gesehen, deren Konzept gleichzeitig so authentisch und durchdacht war. Im Sclupet stimmt wirklich alles – und zwar bis ins kleinste Detail. Die Atmosphäre des Lokals ist gemütlich, die Farben orientieren sich an jenen, die Michelas Heimat prägen. Kein Wunder, dass das Sclupet in der Nachbarschaft bereits viele Liebhaber gefunden hat. Die Stammgäste kommen immer wieder, wegen der Polenta oder des Weins. Der ein oder andere schätzt neben dem guten Essen aber wahrscheinlich vor allem einen kleinen Plausch. Michela nimmt sich für jeden Zeit. Und das schmeckt man auch in ihren liebevoll zubereiteten Gerichten.

Info

Sclupet
Clemensstraße 15
80803 München

089 55284620
www.sclupet.com

Mo: 8:30 – 18:30 Uhr
Di-Fr: 8:30 – 22 Uhr
Montag und Samstag abends auf Reservierung

Clemensstraße 15, München, Deutschland

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