Der Magen knurrt, aber dafür die Kartenrunde unterbrechen? Für John Montagu, einem britischen Earl und Diplomat, im Jahre 1765 undenkbar. Statt zum Dinner zu gehen, befiehlt er seinem Butler belegte Brote zu richten, die man einhändig und ohne die Karten aus der Hand legen zu müssen, schnell verputzen kann. Das Sandwich war geboren. So oder so ähnlich lautet die wohl populärste Geschichte zur Entstehung des Sandwiches. Unter gleichem Namen eröffnete im August letzten Jahres eine Sandwichbar in der Frauenstraße. Seit Dezember nennt sich der Laden in unmittelbarer Nähe zum Viktualienmarkt „Schickfus“ – genau wie sein Besitzer.

Mit 18 hat der gebürtige Münchner Robert Schickfus seiner Heimat den Rücken zugegkehrt. Und zwar um eine Ausbildung zum Hotelfachmann zu machen. Erst nach Sylt, dann mit der MS Europa und der Aida quer durch die Welt um dann nach gut 10 Jahren wieder zurückzukehren. Trotz zahlreicher und toller Erfahrungen freut sich Robert wieder in München zu sein und sich seinen Traum zu erfüllen: etwas Eigenes aufmachen. „Etwas, das schon fertig ist, wenn ich als Kunde in den Laden komme und ich nicht ewig warten muss. Aber auf keinen Fall schon länger fertig als 10 Sekunden. Weil dann ist es nicht mehr gut“. Mit diesem Anspruch, der dem ein oder anderen von uns bekannt vorkommen mag, entscheidet er sich, zukünftig Sandwiches anzubieten.

Sowohl Vegetarier, Veganer als auch Fleischliebhaber kommen im Schickfus auf ihre Kosten: Vegetarisch mit Ziegenkäse und Ofengemüse, vegan mit Avocado-Kernöl-Creme und Kürbiskernen. Herzhaft fleischig mit Ochsenfetzen oder die „Gezupfte Sau“ mit Pulled Pork, BBQ-Sauce und Schmorzwiebeln. Fest auf der Karte stehen außerdem Suppen, Salate und Desserts.

Im Schickfus wird alles selbst gemacht. Das Bio-Fleisch wird frisch von der Emmeringer Landfrauenmetzgerei geliefert, anschließend mariniert und über Nacht im Ofen gegart. Am nächsten Morgen wird das Fleisch in feine Scheiben geschnitten und schwimmt dann, bis es auf das Sandwich kommt, in der Brühe. Je länger um so besser. Das können wir nur bestätigen, sowohl der Ochs als auch die Sau waren schön fein und zart. Aber was wäre ein Sandwich ohne das perfekte Brot? Dafür hat Robert lange getüftelt. Das Ergebnis: Außen knusprig, aber innen schön saftig! Und das manifestiert sich dann in wunderbaren Brioche- und Körnerstangerln.

Seinem Konzept bleibt er auch bei den Suppen und Salaten treu. Als Salate werden keine Blattsalate angeboten, die welk werden, sondern verschiedene marinierte Köstlichkeiten, die gerade durch langes Ziehen ihren Geschmack entfalten. Wie zum Beispiel Quinoa-Apfel-Salat mit rote Beete, Haselnüssen und Minze oder Cole Slaw mit hausgemachtem Sauerrahm-Senf-Dressing. Für unseren Geschmack könnte hier noch ein bisschen mehr Bums, alternativ Gewürz zugefügt werden.

„Etwas, das schon fertig ist, wenn ich als Kunde in den Laden komme und ich nicht ewig warten muss. Aber auf keinen Fall schon länger fertig als 10 Sekunden. Weil dann ist es nicht mehr gut“

On top gibt es eine wöchentlich wechselnde, saisonal angepasste Karte. Unser Highlight: die Auberginen-Creme-Suppe. Seine Inspirationen dazu hat Robert vor allem von seinen Reisen mitgebracht. Einfach mit offenen Augen durchs Leben gehen, hilft laut Robert aber auch oft schon, um sich inspirieren zu lassen.

Auf was wir uns in der Zukunft freuen dürfen? Faschingskrapfen und Wildschein-Sandwiches zum Beispiel. Besonders lecker hört sich die bayerisch-französische Kombi „Gezupfte Wiesensau im Laugencroissant verfeinert mit Blaukraut Cole Slaw und Obazda“ an. Die lässt gottseidank nicht bis zum Oktoberfest auf sich warten. Robert ist experimentierfreudig und offen für alles und neues – wir dürfen also gespannt sein, welche Leckereien uns in Zukunft im Schickfus erwarten.

Info

Schickfus
Blumenstraße 1
80331 München

089 20207887
servus@schickfus.org
www.schickfus.org

Öffnungzeiten
Mo–Fr: 10.00–15.00 Uhr
Do: 10.00–20.00 Uhr
Sa: 11.00–18.00 Uhr

Schickfus

Blumenstraße 1, München, Deutschland

#altstadt#lunch#muenchen#sandwich#suppe