„Never change a running system“, heißt es eigentlich. Doch kann man etwas sehr Gutes in etwas noch Besseres verwandeln? Ja, das geht! Das ehemalige Resihuber am gleichnamigen Platz in Sendling, das nun unter dem neuen Namen „La Trattoria“ in gleichbleibender Lokalität ein neues, italienisches Konzept anbietet, hat es geschafft. Was sich nun alles ändert und was bleibt, haben wir für euch erkundet.

Schon beim Betreten des Lokals mit den großen, hübschen Bogenfenstern fällt auf: das hier ist kein typischer Italiener, der mit rotweiß-karierten Tischdecken, schummrigem Licht und kalten Steinbodenfliesen ausgestattet ist. Und das ist auch gut so. Hier kommt zwar seit knapp einer Woche nur noch italienisches Essen auf die Teller, doch davon ist bis auf ein kleines Olivenbäumchen mit Weinkisten neben der Eingangstür und dem Pizzaofen in der Ecke erstmal nichts zu erahnen. Stattdessen sind die Tische offen platziert, die lindgrüne Wandfarbe mit den Schwarz-Weiß-Fotos wirkt freundlich und die hölzern vertäfelte, lange Bar sticht direkt ins Auge. Durch das offene Küchenfenster strömt uns gleich ein angenehmer Duft in die Nase, der einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.

 

Die moderne und zugleich gemütliche Atmosphäre verkörpert eher den Leitgedanken, der über allen Speisen und Getränken steht: Bio. Italienische Restaurants gibt es bereits wie Sand am Meer, aber das La Trattoria hat sich seine ganz persönliche Nische gesucht. Genau wie schon zuvor im Resihuber, werden auch hier weiterhin nur die frischesten Bio-Lebensmittel aus dem Supermarkt VollCorner nebenan und von dessen Lieferanten verwendet. Die Prämisse: So regional, wie möglich, so fern, wie nötig. Da stammt etwa das Gemüse von den Tagwerk-Gärtnern aus der Region und der Büffelmozzarella von der Käserei Querceta aus Apulien. Und so merkt man nirgends in München deutlicher, dass der Geschmack der Gerichte auf den Tellern nicht allein etwas mit hervorragenden Kochkünsten zu tun hat, sondern auch mit der Frische und Nachhaltigkeit der Zutaten.

 

 

Wir werden sehr freundlich von Küchenchef Max Brückel empfangen, der gemeinsam mit dem Restaurantleiter Antonio Danza das neue Konzept entwickelt hat und wie auch schon zuvor im Resihuber für die Kulinarik im Haus verantwortlich ist. Stress kann ihn scheinbar nur schwer aus der Ruhe bringen, denn trotz vollbesetzter Tische lächelt er entspannt. Auf Nachfrage erklärt uns der 30-jährige Münchner, wie es zu dem Konzeptwandel des beliebten Resihubers kam. Zwar sei das Lokal auch damals schon gut besucht gewesen, doch ein Stammpublikum, das wöchentlich zum Essen vorbeikam, etablierte sich bislang nicht. Stattdessen haben sich die Gäste ihren Besuch im – eher gehobenen – Resihuber lieber für besondere Momente aufgespart. „Irgendwie widerstrebt es aber der Biomentalität, sich in ein gehobenes Niveau abzuseparieren und dadurch einige Leute gleich auszuschließen“, erzählt uns Max.

 

Was er damit meint: Jeder, der Wert auf ökologische Landwirtschaft legt, unabhängig von der Größe seines Geldbeutels und seinem Anspruch, soll sich biologisches Essen leisten können – und das nicht nur im Supermarkt. Denn beim Einkauf kann man dank der Güte- und Prüfsiegel relativ transparent nachvollziehen, woher und aus welcher Produktion die Lebensmittel stammen. Im Restaurant hat man sonst oft aber so gar keine Ahnung hat, unter welchen Umständen das Tier gelebt hat, das da jetzt auf dem Teller landet.

 

Anders läuft das im La Trattoria: Dort kann man die leckeren Gerichte mit gutem Gewissen genießen. „Vor zwei Wochen waren wir in der Toskana und haben uns vergewissert, dass die Qualität stimmt und das Tierwohl unseren gehobenen Ansprüchen auch gerecht wird“, erklärt uns der Küchenchef. Mit eigenen Augen haben sie dort gesehen, wie gut artgerechte Tierhaltung laufen kann: „Da wohnen zwei Schweine zusammen auf einem Feld, das so groß, wie ein halber Tennisplatz ist.“ Ich denke an meine winzige Bude im Zentrum Münchens zu horrenden Preisen und werde ein bisschen neidisch auf die schwarz-rosa Schweinchen, die übrigens sogar bei Instagram zu bewundern sind.

„In der Toskana haben wir uns vergewissert, dass die Qualität stimmt und das Tierwohl unseren gehobenen Ansprüchen gerecht wird.“

Vielleicht setzt nur der Placebo-Effekt ein, aber ich meine tatsächlich schmecken zu können, dass das Essen „Bio“ ist. Max serviert uns ein paar bunt gemischte Antipasti zu einem fabelhaften Pinot Grigio und es fühlt sich wirklich so an, als könnte man die Sonne aus den getrockneten Tomaten und den Oliven herausschmecken. Unnatürliche Geschmacksverstärker werden lieber durch edle Öle und Gewürze ersetzt, die die puren Aromen der Zutaten nicht überdecken, sondern unterstreichen. Sehr zu empfehlen sind auf jeden Fall das Bietola & Bufala mit marinierter, roter Beete, Büffelmozzarella und Haselnüssen für die Vegetarier und das super zarte Vitello Tonnato mit Kalbsfleisch, Kapern, Senf und Kräutern für die Carnivoren unter euch. Als Hauptgerichte stehen weitere Köstlichkeiten wie Auberginenauflauf, Saltimbocca oder Lachs auf der Karte.

 

Auch der Rucolasalat schmeckt so frisch und knackig, als käme er eben erst vom Feld. Wenn das Essen biologisch ist, kann man es irgendwie gleich doppelt so sehr genießen, weil man immer im Hinterkopf hat, dass man sich mit dem Fleisch jetzt nicht parallel noch unnötig Antibiotikarückstände und mit dem Gemüse keine Pestizid- und Düngerspuren zuführt. Im La Trattoria zählt also nicht nur der gute Geschmack des Essens, sondern auch ein sprichwörtlicher, süßer Beigeschmack, dabei ökologisch zu speisen. Aber es ist natürlich nicht nur gesünder für unseren eigenen Körper, sondern auch für die Tiere, die Natur und die Umwelt. In den heutigen Zeiten sollte einfach jeder versuchen, einen kleinen Beitrag zu einem blaueren Planeten zu leisten. Und das Beste ist: Einen Besuch bei La Trattoria kann man sich wirklich leisten! Denn die Pizzen mit dem leckeren Knusperrand – ich kann es selbst jetzt noch nicht fassen – kosten einfach genauso viel, wie es auch in anderen Restaurants üblich ist. Nur eben in Bio!

Vielleicht setzt nur der Placebo-Effekt ein, aber ich meine tatsächlich schmecken zu können, dass das Essen „Bio“ ist.

Da gibt es die Evergreens, die einfach immer gehen, aber auch ausgefallene Kombinationen wie die Rustica mit Tomatensugo, Mozzarella, Pancetta-Speck, Scarmozetti, Radicchio und Haselnuss. Oder die Cacio e Pere mit Mozarella, Gorgonzola, Ricotta und Birne. Als jemand, der – auch ohne Schwangerschaft – verrückte Essgelüste hat, feiere ich das sehr und ich glaube, dass es auch anderen Besuchern so geht. Wer mal zu faul zum Ausgehen ist, kann die Pizzen übrigens auch über Lieferando nach Hause bestellen. Und anders als im vorherigen Restaurantkonzept des Resihubers, können die Pizzen und Pasta nun sogar jederzeit vegetarisch und vegan mit Zucchinicreme angepasst werden. Jetzt gibt es also wirklich keine Ausreden mehr dafür, kein Bio zu essen, Leute.

 

Zum Nachtisch futtern wir uns durch die Dolci der Speisekarte und probieren ein selbstgemachtes, veganes Sorbet mit Prosecco und einem getrockneten Zitronenchip, der wie ein unglaublich leckeres Bonbon schmeckt. Abschließend gibt’s noch den obligatorischen Verdauungs-Espresso und das wirklich beste, alkoholfreie Tiramisu, das ich je gegessen habe. Besser hätte der Abend echt nicht enden können. Zufrieden und satt beenden wir nach drei Stunden unsere Reise durch das kulinarische Schlaraffenland und hoffen auf eine baldige Rückkehr. Buon Appetito!

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