Neue Stadt, neues Glück, sagt man sich immer! Man freut sich über den neuen Job, den man ergattert hat oder die neuen Herausforderungen, die auf einen warten. Wohnung suchen, Umzug, einleben… Und dann aktiviert man irgendwie alle Leute, die man noch von irgendwoher kennt. Sei es ein Bekannter aus der Schule, die Professorin aus dem zweiten Semester oder der IT-Typ, mit dem man mail Mails getauscht hat… Irgendwie muss man ja sein soziales Netzwerk zum Laufen bekommen. Oder vielleicht auch einfach nur zum Existieren bringen?!

Eine wunderbare Art und Weise, wie wir am Samstag elf uns unbekannte Menschen kennenlernten und diese als nette Bekannte wieder verließen, war das Futterneid Dinner / Hausgemacht. Über Facebook haben wir uns für das ungewöhnliche SupperClub Dinner angemeldet und waren ziemlich gespannt, was uns dort erwarten würde.

Aber vielleicht noch einmal kurz zurück. Supper Club? Wer, wie, wo, was? Ursprünglich im sozialistischen Kuba entstanden trafen sich die Kubaner aufgrund mangelnder gastronomischer Angebote bei Privatleuten zum Essen. Mittlerweile bekennt sich jede Großstadt mehr oder minder intensiv zum Supper-Club-Trend. Mangelnde gastronomische Angebote herrschen bei uns eigentlich nicht, aber der Wunsch nach hausgemachtem, freundschaftlichem Miteinander und die Aussicht, vielleicht sogar neue Freundschaften zu schließen, scheint für die Großstädter dennoch ziemlich interessant zu sein.

Aber zurück zum Futterneid Dinner. Per Email bekamen wir Info’s zu Ort und Zeit unseres Dinners mitgeteilt. Ein Unkostenbeitrag, der zu bezahlen war, wurde vorher schon angekündigt. Gesagt, getan, 19.30 Uhr wird gestartet. Wir klingeln und werden freudestrahlend von Laura und Antonia in Laura’s Wohnung empfangen. Im Prinzip so, als würden wir uns schon ewig kennen. Wir werden durch die Wohnung geführt und finden uns dann, peu à peu, mit den anderen Gästen am Tisch ein. Mit Perlwein und pikantem Kurkuma-Krokant starten wir fröhlich in den Abend.

Die Runde ist bunt gemischt und von Anfang zwanzig bis Ende fünfzig ist jede Altersklasse vertreten. Und dabei kommen gar nicht alle, die dort teilnehmen, zu zweit, sondern auch der ein oder andere als one-man show. Antonia und Laura sind wunderbare Gastgeber und geben eben jedem das Gefühl, quasi Freund zu sein, der zum Essen bei den beiden eingeladen ist. So fühlt es sich zumindest an. Schnell kommt die Meute ins Gespräch und nimmt an der Tafel im Wohnzimmer Platz, während sich die Damen in die Küche zurückziehen, um das Essen vorzubereiten.

Währenddessen erzählen mir die beiden, wie es denn eigentlich dazu kam, dass man für Fremde kocht. Die gemeinsame Geschichte der beiden beginnt früh, man kennt sich nämlich schon aus der Schule. Die Leidenschaft fürs Kochen haben die beiden praktisch immer schon geteilt. Laura, weil sie Halbitalienerin ist, und Antonia hat auch lange mit ihrer Familie in Italien gelebt. Und da schließt sich dann der Kreis – gutes Essen & Gastfreundschaft, schwuppps, waren die Futterneid Dinner erdacht. Vor ein paar Jahren fing es dann mit Catering und eben diesen Dinnern in ungewöhnlichen Locations an. Und das auch sehr erfolgreich. Wie das Leben dann aber so spielt, wurden die „echten“ Jobs immer größer und die beiden fühlten sich beim Catern dann irgendwann auch nicht mehr so wohl. Schnell merkten sie, dass das Essen machen, irgendwo „abliefern“ und dann aber am Erlebnis keinen Anteil haben, einfach doch nicht das war, was sie wollten.

 

„Wir wollten einfach mal zeigen, dass man tolle Sachen ohne tierische Produkte machen kann, und einem trotzdem wirklich gar nichts fehlt“, sagt uns Laura. Und Recht hat sie!

Nach einer guten Zeit Pause zum Sinnieren waren sich die beiden vor ein paar Monaten dann sicher: Wir wollen wieder was machen! Wir wollen aber Gastgeber sein! Und so entstand die Idee für das ein wenig abgeänderte Konzept der Futterneid Dinner / Hausgemacht. Weil eben nicht nach einer crazy Location gesucht werden muss, in die alles hin- und angebracht werden muss, sondern ganz gemütlich bei Laura zuhause, einmal im Monat. Und da kann dann auch nicht nur das Essen, sondern das Essen plus Gastgebertum eine große Rolle spielen.

Wir futtern uns fröhlich durch Pilzsteak mit roter Beete auf selbstgemachten Foccacia mit Cashewmayonnaise, schlürfen würzigen Sud mit Romanesco, schlotzen uns durch Schwarzwurzelrisotto mit Nussparmesan und Radicciosalat und schlemmen uns final durch Rote-Beete-Bananeneis auf Kakao-Pumpernickel-Erde. Dazu genießen wir eine fein ausgewählte Weinbegleitung und ein Kaffeechen am Ende. Erst einmal gar nicht aufgefallen und dann erstaunend kommentiert: Das war irgendwie vegan! Auch wenn die beiden Mädels immer vegetarisch kochen, dieses spezielle Futterneid Dinner Nr. 2 ist spontanerweise vegan geworden.

Wir schließen den Abend zu später Stunde. Wir sind beseelt, glücklich, satt, aber nicht vollgepröfft, ein bisschen angedüselt, haben einen Haufen spannender Gespräche geführt und wunderbare Leute kennengelernt und wünschen uns eigentlich insgeheim, dass wir jetzt jedes Mal dabei sein können!

Also auf, Ihr lieben Städter, meldet Euch an, schwärmt aus und berichtet! Wir drücken die Daumen, dass Antonia & Laura dieses Mal gekommen sind, um noch länger zu bleiben. Wir melden uns bestimmt wieder an und freuen uns auf gutes Essen, tolle Gastgeber und viele, neue Bekanntschaften.

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