Es gibt viele gute Gründe, Hamburg zu lieben. Die Fischbrötchen der Hafenstadt sind auf jeden Fall einer davon, zumindest für ein Alpenkind wie mich – eine Fischsemmel ist halt einfach nicht das Wahre. Und wenn man dann noch im Underdocks ein „Fischbrötchen in heftig“ bekommt, ist die Hanse-Liebe perfekt. Mit seinem Urban Fish Food setzt der Laden im Szeneviertel St. Pauli der Burger-Läden-Inflation etwas Handfestes entgegen, denn die Lobster-Rolls, Fisch-Tacos und Ceviches des Underdocks lassen jeden Burger blass aussehen.

Es ist Herbst in Hamburg, und das merkt man auch. Der Wind bläst kalt und es nieselt aus allen Richtungen, aber die Stimmung ist euphorisch. Wir sitzen im Millerntor, dem berühmten Stadion von Hamburgs coolstem Verein: St. Pauli. Rauch, Sprechchöre, Trommeln und Choreografien, die Jungs und Mädels der Ultras vor uns lassen den Rasen beben. Oh man, wie ich Hamburg liebe. Am Ende verlieren die Paulis 0:1, aber was soll’s, das waren 90 Minuten pure Unterhaltung, wenn auch abseits des Platzes.

 

Das Spiel hat uns hungrig gemacht, und so ziehen wir gemeinsam mit dem Strom an Totenkopf-T-Shirts aus dem Millerntor. Weit haben wir es nicht, denn das Underdocks ist direkt um die Ecke, und die Lobster-Roll dort soll fantastisch sein, sagt mein Mann. Und mit Essen kennt er sich aus.

Als wir vorm Underdocks ankommen, ist der Eingang mit einer Tonne versperrt und die Hostess dahinter fragt uns nach unserer Reservierung. Haben wir nicht. Dann könnten wir leider nur das reguläre Menü haben, das philippinische Special gebe es nur für reservierte Gäste… och, das klingt natürlich auch gut, aber wir sind ja eh wegen der Fischbrötchen hier. Also kein Problem und rein mit uns. Das Interieur versprüht rauen Industriehafen-Charme, so richtig gemütlich geht anders. Aber cool und ungewöhnlich sind die vielen Props, die hier zum Einsatz kommen, alle mal: Ein großer Schiffs-Container dominiert den Raum, Rohre, Industriescheinwerfer, Fässer und Warnschilder zieren Wände und Decken. Leider hat auch das Underdocks mal wieder steinharte Bänke und coole, aka. unbequeme, Stühle. Aber wir sind jung, da geht das ja noch. Die freundliche junge Frau vom Eingang bringt uns die Karten. Und wir übertreiben mal wieder ein bisschen.

Alarm! Allmählich sieht man die Stadt vor lauter Burger-Läden nicht mehr. Wenn morgens die Kutter in den Hafen einlaufen, was bringen sie dann? Rinder und Buns? Nein! Fisch und Krabben. Das ist Hamburg.

Zwei Lobster-Rolls, einen Rote-Beet-Salat mit sauren Gurken, Bratkartoffeln mit Garnelen und einen Avocadosalat mit roten Zwiebeln bestellen wir uns für einen kleinen Lunch. Mehr hätte auf dem kleinen schwarzen Tischchen auch nicht Platz gehabt, dazu zwei Colas. Gesund sehen wir heute ohnehin nur noch im Rückspiegel. Das Essen kommt auf einem Tablett, duftet herrlich und sieht nach sündhaft gutem Fast-Food aus. Hier ist Fast Food aber im wahrsten Sinne des Worte zu verstehen: Die Gerichte kommen zügig, aber die Qualität ist extrem hoch! Das finden mein Mund und mein Bauch und mein Geschmackssinn auch, die allesamt im siebten Himmel schweben, als ich einen ersten Bissen in das weiche Brioche-Brötchen wage, belegt mit herrlich zartem Lobsterfleisch und einer frischen Zitronenmayonnaise. Jo, das ist wirklich ein heftiges Fischbrötchen.

Bei uns kommt nur beste Qualität in die Kombüse. Die obersten drei Regeln: Qualität, Qualität, Qualität.

Auch die Bartkartoffeln, die im Eisenpfännchen serviert werden, „loaded“ mit einer köstlichen Sauce, vielen Garnelen und einer Handvoll Frühlingszwiebeln, sind echtes Essen für die Seele. Als Beilage bringt der zitrussige Avocadosalat ein bisschen Frische und Leichtigkeit auf den doch sonst schweren Mittagstisch. Lediglich die Kombination aus Roter Beete und Saurer Gurke ist nicht so unser Fall, aber es scheint mir auch nicht fair, ein Wurzelgemüse gegen den König der Meerestiere antreten zu lassen. Also schwamm drüber.

Mein Fazit? Fischbrötchen in heftig (für auch mittel-heftige 23,00€) sollte man sich ab und an mal gönnen. Am besten im Underdocks im schönen Hamburger St. Pauli, wenn draussen raues Hansewetter ist.

Info

Underdocks
Neuer Kamp 13
20359 Hamburg
www.under-docks.de


Öffnungszeiten
Di.- Do.: 12 – 22 Uhr
Fr. & Sa.: 12-22 Uhr Küche
Fr. & Sa.:| 22- Open End Bar
Sonntag: 12 – 21 Uhr


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