Restaurants, die sich als „italienisch“ bezeichnen, finden wir in München an jeder Straßenecke. Ob Italiener dieser Klassifizierung immer zustimmen würden? Fragwürdig. Eine Location, die authentischer kaum sein könnte, versteckt sich in einer kleinen Seitenstraße im Glockenbachviertel. Salami und Käse direkt aus der Toskana, Aperitivi mit toskanischen Schmankerln und ganz viel Liebe: die Rustikeria bringt uns ein Stück Italien nach München.

München, Oktoberfest 2012. Sabine, Münchnerin, verbringt den letzten Sonntag der Wiesn ausnahmsweise im Löwenbräuzelt. Massimo, Italiener aus der Toskana, hat die gleiche Idee. Es war eine ziemlich gute, wie sich wenig später herausstellt. Das Ergebnis dieses Besuchs: die große Liebe für Sabine und Massimo und eine toskanische Bottega für München – die Rustikeria. Seit der Eröffnung im April diesen Jahres etabliert sich die toskanische Bottega als beliebter Treffpunkt für italienische Genießer und die italienische Gemeinde in München. Beim Reisen empfinden wir einen hohen Anteil an einheimischen Besuchern als Beweis für die gute Qualität eines Restaurants. In der Rustikeria können wir uns einmal mehr auf dieses Indiz verlassen.

Die Bottega befindet sich im Glockenbachviertel, wenige Gehminuten vom Sendlinger Tor entfernt. Obwohl auch wir dachten, uns im Szeneviertel Nummer eins bestens auszukennen, schaffen es Sabine uns Massimo, uns in eine weitestgehend unbekannte Straße zu führen, die den hübschen Namen Angertorstraße trägt. Zwischen Häuserfassaden und kleinen Geschäften, die sich bereits in den Feierabend verabschiedet haben, strahlen uns die lichtdurchfluteten Räume der Rustikera schon von Weitem entgehen. Drinnen wirkt es gemütlich, urig, heimelig. Der perfekte Zufluchtsort in der Eiseskälte!

Als wir die Rustikeria betreten, schlägt unser italienisches Herz gleich höher. Wer kennt sie nicht, die typischen Italienischen Feinkosthändler mit dem besten Käse, den besten Wurstspezialitäten und den besten Backwaren? An einen solchen erinnert die Theke in der Rusikeria, der Massimo just in diesem Moment eine toskanische Mortadella entnimmt. Alle Schmankerl, die wir in der Theke finden, sind original Made in Toskana – ebenso wie der Wein, die Cantuccini, der Foccacciateig und alle andere Rohwaren, die wir in der Rustikeria finden. Lediglich bei verderblichen Waren sehen sich Sabine und Massimo gezwungen, auf deutsche Produkte zurückzugreifen.

Die Speisekarte würden wir „Typisches aus der Toskana“ taufen. Neben ein paar Crostoni und Piatti, spielen Schiacciate und Taglieri die Hauptrollen. Schiacciate sind gefüllte Focacciabrote, die „in der Toskana zu jeder Tages- und Nachtzeit gegessen werden“, erklärt uns Sabine. In der Rustikeria sind sie in über 20 Variationen erhältlich, wobei jede einzelne vom Hausherren selbst kreiert ist. Die Brote sind ebenso hausgemacht. Außergewöhnlich für eine italienische Lokalität: Die Focaccia ist sogar in der Vollkornvariante erhältlich. Die Namen der Schiacciate sind an toskanische Städte angelegt. Die einzige Ausnahme ist die Variante mit Mortadella. Wie es zum Gastspiel der Emilia-Romagna kommt? Für das Brot wird nicht die typische, große, weiche Wurst aus Bologna, sondern die kleinere, härtere Variante aus der Toskana verwendet. Fürs Publikum der Rustikeria ist dieses Detail essentiell: „Die Deutschen würden das wahrscheinlich gar nicht merken. Aber die Italiener würden schimpfen“, betont Sabine.

Schiacciate werden in der Toskana zu jeder Tages- und Nachzeit gegessen.

Das zweite Aushängeschild der Rustikeria sind sogenannte Taglieri. Im Deutschen steht der Begriff für Schneidebrett. Ein solches wird auch der Rustikeria serviert. Auch das Brett an sich ist schon schön. Doch das, was Massimo darauf mit viel Liebe fürs Detail anrichtet, lässt italienische Foodie Träume wahrwerden. Die Bretter sind in vier Varianten erhältlich: Wurst und Käse in der kleinen und großen Ausführung, nur Käse sowie die große Platte mit diversen Spezialitäten des Hauses. Während die Fleischfraktion sich über luftgetrockneten Schinken, Fenchelsalami und die berühmtberüchtigte toskanische Mortadella freuen darf, werden Käseliebhaber mit diversem italienischen Hartkäse zu Feigensenf glücklich gemacht. Dazwischen verstecken sich jede Menge für uns außergewöhnliche Schmankerl, wie wir sie sonst so in Deutschland selten finden. Bestes Beispiel ist das Crostini mit Lardo. Ein Brötchen mit einer hauchdünnen Scheibe Schweinespeck hätten wir uns bewusst wohl nie bestellt. Doch wenn dieser immer von solch einem genialen Trüffelhonig begleiten wird, können wir uns mit dieser Spezialität sehr gut anfreunden.

Nachdem uns der herzhafte Teil bereits auf ganzer Linie überzeugt, können wir das große Finale kaum erwarten. Schließlich müssen wir Deutschen neidlos gestehen: Wenn eine Nation die Dessertkunst beherrscht, dann die Italiener! In der Rustikeria finden wir überregionale Klassiker wie Pannacotta und Crostata sowie lokale Spezialitäten wie l’Inzuppo und ein Tiramisu, das Massimo nicht mit Espresso sondern mit Vin Santo, einem toskanischen Süßwein, herstellt. Wir fragen uns tatsächlich, warum Tiramisu überhaupt noch mit Espresso zubereitet wird – diese Variante ist ein absoluter Traum! Der perfekte Abschluss für den kulinarischen Toskana-Trip in der Rustikeria.

Kleiner Tipp: Jeden ersten und dritten Samstag im Monat laden Sabine und Massimo zum Aperitivo-Abend in die Rustikeria. Für schlappe sieben Euro schlemmt ihr euch dabei bei italienischen Spitzenweinen durch allerlei toskanische Schmankerl vom Buffet. Das perfekte Rezept gegen Winter-Blues und Italien-Sehnsucht!

Info

Rustikeria – Bottega Toscana

Angertorstr. 4

D-80469 München

Phone:    +49 (0)89 452 045 02

E-Mail:     mail@rustikeria.de

www.rustikeria.de

Öffnungszeiten

Montag – geschlossen

Dienstag bis Freitag – 11:30-21:00 Uhr

Samstag – 11:00-21:00 Uhr

Sonntag – 11:00-21:00 Uhr

Angertorstraße 4, München, Deutschland