Vegan oder nachhaltig, neugemischt oder extravagant: Auf der Finest Spirits Messe in München konnten die Besucher am Wochenende angesagte Spirituosen-Kreationen von Whisky, Gin und Likören bei Top-Ausstellern verkosten und haben als erste erfahren, welche Trends in den nächsten Jahren wohl auch über die Bar-Theken wandern werden.

Whisky ist schon lange kein Altherren-Getränk mehr, seit Cocktails wie Old Fashioned oder Manhattan die Bars erobert haben. Verfeinert mit viel Zucker, Sirup oder einem Spritzer Zitrone findet fast jeder einen Drink nach seinem Geschmack. Doch welche Getränkeklassiker erleben in den kommenden Jahren hierzulande wieder ein offizielles Comeback und wie kann man die Spirituosen dem modernen Zeitgeist anpassen? Die Antworten darauf konnten Gourmets am vergangenen Wochenende auf der Finest Spirits Messe in München erfahren. Der Fokus lag diesmal auf dem Single Malt und der Herausforderung, ihm zu einem Revival zu verhelfen.

Wer sich in Kneipen, Zigarrenhändeln oder auf der Finest Spirits Messe umsieht, stellt schnell fest: Die Whisky-Branche boomt und nun werden die Destillerien und Spirituosen-Produzenten immer kreativer, um sich von der Masse abzuheben. Douglas Laing & Co. spezialisiert sich etwa auf Blended Malts aus Schottland, die ohne Kältefiltration abgefüllt werden. Offenbar mit Erfolg: Der rauchige „Big Peat“ gewann bereits bei den World Whiskies Awards den Titel „Best Blended Malt Scotch Whisky“ und war an diesem Wochenende genauso gefragt, wie die geschmacksintensiveren Varianten aus dem Sortiment des Familienunternehmens. Während „Scallywag“ würzig nach Fruchtkompott und Weihnachtskuchen schmecken soll, lässt der „Rock Island“ eher Noten von Lakritze und Pfeffer erahnen. Andere Aussteller auf der Messe experimentieren weitaus mutiger mit extravaganten Aromen wie geräuchertem Lachs, grünen Tomaten oder Balsamico bei ihren Whiskys. Das Unternehmen Laphroaig hingegen zeigt sich vom Hype einer vermeintlich willkürlichen, verrückten Verpanschung unbeeindruckt und bleibt bei seinen beliebten, puren Single Malts, die sich gerade wegen ihres originalen, rauchig-torfigen Geschmacks nach wie vor erfolgreich verkaufen.

 

Der rauchige „Big Peat“ gewann bereits bei den World Whiskies Awards den Titel „Best Blended Malt Scotch Whisky“ und war an diesem Wochenende genauso gefragt, wie die geschmacksintensiveren Varianten aus dem Sortiment des Familienunternehmens.

Neben Geschmäckern reicht auch die Bandbreite der Flaschendesigns weit. Wermut-Marken wie Helmut setzen beispielsweise auf auffällig unauffälligen Minimalismus, während die Optik bei Deadhead Rum mit einem zugenähten Schrumpfkopf beinahe die nächste Cultural appropriation-Debatte anstößt. Wieder andere Unternehmen pochen bei ihren Spirituosen eher auf neuartige Rezeptkombinationen zu ihren Klassikern. Auf einer Segelfahrt von Hamburg nach Sankt Peter Ording kreierte Bartenderin Meike Zimmermann eigens für Metaxa im September den „Stars & Boom“ aus dem 12 Sterne Metaxa, Morgentau Tee, van Nahmen Rhabarber, Riesling Sirup und Verjus. Das Ergebnis ist ein blumig-frischer Drink, der mit seiner Leichtigkeit trotz hochprozentiger Basis überzeugt. Zu probieren gibt es den neuen Cocktail in der Münchner Contemporary Bar.

 

Auf einer Segelfahrt von Hamburg nach Sankt Peter Ording kreierte Bartenderin Meike Zimmermann eigens für Metaxa im September den „Stars & Boom“ aus dem 12 Sterne Metaxa, Morgentau Tee, van Nahmen Rhabarber, Riesling Sirup und Verjus.

Auffallend während der Messe ist, wie viele Spirituosen auf der schottischen Insel Islay gebrannt wurden. Da stechen heimische Produkte wie der „Bavarian Whisky“ von Stonewood oder der Bavarian Dry Gin von Kaiser Hill 16 aus der Masse heraus. Trotz seiner 10 Gewürze hebt sich „Mia San Gin“ zwar geschmacklich nicht deutlich genug von seinen Konkurrenzprodukten ab, punktet jedoch mit seiner nachhaltigen Regionalität, auf die derzeit allgemein großen Wert gelegt wird. Ebenfalls zeitgemäß und längst überfällig ist der flüssige Eiweißersatz „Fee Foam“ auf Algenbasis, der als vegane Lösung für den Klassiker Whisky bzw. Boston Sour dient und Bartendern dank einfacherer Lebensmittelhygiene den Job erleichtert. Ein weiteres Nachhaltigkeitskonzept auf der Messe begeistert die Besucher ebenfalls: Am Stand des Spirituosen-Wettbewerbs „ISW“ werden nicht nur die Gewinner-Drinks der letzten Jahre blind verkostet, sondern auch alle Einnahmen an das Projekt „Ocean Cleanup“ gespendet. Die Trends der letzten Jahre hin zu regionalen und nachhaltigen Produkten übertragen sich also nun also auch endlich auf die Spirituosen-Branche. Was gleich bleibt, ist der gute Geschmack – den man nun auch mit besserem Gewissen genießen kann.

#Finest Spirits#gin#Verkostung#whisky