In der Bibel waren es noch die Israeliten, die das Götzenbild anbeteten, heute sind es Münchens Fleischliebhaber, die einem Goldenen Kalb huldigen. Auch, wenn das, sich in unmittelbarer Nähe zum Viktualienmarkt befindende Restaurant, bis auf seinen Namen, Gott sei Dank, sonst wenig mit Aaron und Moses zu tun hat, ist der Name treffend gewählt. Egal, wen man fragt, das Restaurant in der Blumenstraße wird weiterhin von Münchens Steakexperten frenetisch als Maß aller Dinge verehrt.

In Zeiten, in denen auf Steakrestaurants nur so aus den Boden sprießen, wird es natürlich immer schwieriger die Spitzenposition zu behalten. Ständig gibt es neue Lokale mit noch neueren Trends, die um die Gunst der Münchener Steakliebhaber buhlen – so findet man inzwischen auch in Bayerns Hauptstadt Konzepte wie Butcher-To-Table, Steaks zum Selbergrillen und allerhand sonstigen Küchen-Hokuspokus. Für wahre Enthusiasten gibt es allerdings nach wie vor nur einen Platz an der Sonne.

Wie die anderen Steakrestaurants auch, besitzt das goldene Kalb natürlich eine, sonst nirgends zu findende, exklusive und sündhaft teure Feuerstelle, die bei jeder Gelegenheit stolz erwähnt wird und dafür sorgt, dass die Gäste die richtige Garstufe auf dem Teller vorfinden. Im Gegensatz zu anderen Orten klappt das im goldenen Kalb durchwegs vorbildlich. Wer Medium Rare bestellt, bekommt Medium Rare. Nur der Vollständigkeit halber und, damit das ständige Lobpreisen des hauseigenen Grills auch nicht umsonst war: Das Ungetüm ist ein HajaTec Holzkohlegrill und macht bestimmt vieles besser als all die anderen feuerproduzierenden Ungetümer der Konkurrenz. Das Erfolgsgeheimnis des goldenen Kalbs ist aber weitaus simpler: Nirgendwo findet man auch nur eine annähernd große Auswahl an Steaks auf der Karte bzw. im Reifeschrank, der das zentrale Element des Gastraums bildet – wobei hier das Wort „Auswahl“ fast schon „Überforderung“ bedeutet.

Fleischliebhaber, die sich vor dem besagten Reifeschrank wiederfinden und aus über 45 Rinderrassen ein Stück aussuchen dürfen, dürften sich nicht selten wie Kevin in New York im gleichnamigen Kinofilm der 90er Jahre im Spielzeugladen FAO Schwarz fühlen: Die Augen wandern zwischen den Etagen der Schränke hin und her, was einem die Entscheidung nicht gerade leicht macht. Überall stecken Fähnchen in den Fleischstücken, die Auskunft über die Rasse und Herkunft sowie die Portionsgröße und den Preis Auskunft geben.

Eine größere Auswahl an Fleischspezialitäten dürfte man weltweit schwierig finden. Zur Auswahl stehen bekannte Klassiker wie das französische Charolais Rind, Galloway und das heimische Simmentaler oder aber exotisch klingende Stück vom bayrischen Fleckvieh, Schwarz- oder Rotpunkt oder Kreuzungen mit der Urrasse aus Namibia. Inzwischen gibt es ja sogar richtige Trendsteaks wie beispielsweise die alte Kuh, die auch unter dem unaussprechlichen Namen Txogitu bekannt ist. Diese fand man hier schon auf der Karte, als die anderen Spitzenköche Münchens Dry Aged als progressive Reifungsmethode proklarierten.

Doch um auf die gigantische Auswahl zurückzukommen: wer keinen Meister in Steakkunde sein Eigen nennt, wird sich über die perfekte Beratung des Personals freuen, die auf die persönlichen Vorlieben eingeht und dabei stets ein glückliches Händchen beweist. Bei den Heerscharen von Besserverdienern, die gerne mal in größeren Horden das Lokal stürmen, mögen auch Kriterien wie Größe und Preis eine Rolle spielen – zumindest, wenn man die Gespräche an den Nachbartischen verfolgt oder sich den Fuhrpark an Luxuskarossen vor der Tür anschaut, die oft im Halteverbot demonstrativ in Restaurantnähe abgestellt werden.

All dies kann der ehrliche Steakfreund allerdings mit Leichtigkeit wegschmunzeln, schließlich wartet auf einen selbst das perfekt auf den Garpunkt gebratene Steak, das alles andere vergessen lässt. Auch, wenn man die Weinauswahl genauso explizit loben muss wie die sensationellen Beilagen, dreht sich hier alles ums Steak und das schmeckt man. Solange das so bleibt, werden auch die Fleischjünger weiterhin ihr goldenes Kalb lobpreisen – und das völlig zu recht.

Info

Zum Goldenen Kalb
Utzschneiderstraße 1
80469 München

089 23542290
reservierung@zum-goldenen-kalb.de
www.zum-goldenen-kalb.de

Öffnungszeiten
Mo-Fr: 17.00-01.00 Uhr
Sa: 12.00-01.00 Uhr

Zum Goldenen Kalb

Utzschneiderstraße 1, 80469 München, Deutschland

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