Ich treffe Toshi Kobatake an einem Samstagnachmittag in seinem Restaurant JAPATAPA. Der sympathische Japaner schenkt erst mir und danach sich selbst ein Glas Sprudelwasser ein. Dazu serviert er uns eine kräftige Nudelsuppe mit Rindfleisch – schließlich muss der zweifache Restaurantbesitzer heute noch arbeiten und gerade am Wochenende sind seine beiden Lokale in der Münchner Innenstadt gut besucht. Doch bevor es in die Küche geht, hat er noch etwas Zeit, um mit mir über die japanische Küche im allgemeinen und seine Wirkungsstätten im besonderen zu plaudern.

„Nudelsuppe – so etwas essen wir in Japan. Es ist ein Alltagsgericht. Wir essen vielleicht einmal im Monat Sushi, nicht so wie viele Deutsche denken“. Das es in Japan nur Sushi gibt – dieser Gedanke ist nur einer von vielen Vorurteilen, welche der durchschnittlich kulinarisch-erfahrene, deutsche Esser gegenüber der japanischen Küche hat. Doch wer einmal in Toshi Kobatakes´s Restaurants gespeist hat, wird schnell verstehen, schmecken, sehen und genussvoll erleben, dass Sushi zwar etwas Besonderes, aber nur ein kleiner Teil der Spezialitäten ist, welche das Land der aufgehenden Sonne zu bieten hat. „Japanisches Essen ist einfach. Frische Produkte. Reis, Fisch, Sojabohnen und Misopaste. Du schneidest den Fisch, legst ihn auf den Reis – fertig.“  Toshi, wie ihn Bekannte und Freunde nennen, lächelt zufrieden. „Es kommt immer auf die Frische und Qualität der Produkte an. Deshalb ist japanisches Essen auch nicht billig.“ Und dies ist auch einer der Gründe, warum Toshi nach vielen Umzügen und beruflichen Wechseln in München geblieben ist. „Hier haben die Leute Lust auf gutes Essen und zahlen gerne dafür.“

Das der gebürtige Japaner nach Deutschland kam, ist allerdings Zufall oder – je nach Sichtweise des Betrachters – vielleicht auch Schicksal. Denn eigentlich wollte er als junger Mann in Frankreich leben. Hier erlernte er im Anschluss an seine japanische Kochausbildung ein Jahr lang in einer französischen Kochschule die „Haute Cuisine“ des Landes und verliebte sich dabei in das berühmte „Savoir Vivre“ der Franzosen. Auch nach seiner Rückkehr nach Osaka, sehnte er sich nach Frankreich zurück und so kam das Angebot eines Pariser Restaurants vier Jahre später gerade recht. Nicht so recht war ihm allerdings, dass er kein Visum für Frankreich erhielt. Auf der Suche nach einer Lösung schmiedete er den Plan zuerst einmal nach Deutschland, das Nachbarland seines Sehnsuchtsortes, zu gehen. Doch in Köln angekommen, fühlte sich Toshi wider Erwarten auf Anhieb wohl. „Deutsches Leben passt für mich. Es ist sehr angenehm.“ Er merkte schnell, dass man seinen Ehrgeiz hier honorierte und er, nicht wie in Japan, Steine in den Weg gelegt bekam. „Ich wollte mehr machen und bin auf Widerstand gestoßen. Das ist typisch japanisch. Der Deutsche ist sehr selbstständig. Japaner arbeiten immer im Team und gute Leute werden gerne untergebuttert.“

Nach Stationen in Berlin, Stuttgart und Düsseldorf führte Toshi sein Weg nach München, wo er schnell merkte, dass die Stadt offen für ein hochwertiges, japanisches Restaurant war. Der Schritt in die Selbstständigkeit lag nahe und so eröffnete Toshi Kobatake 2002 sein TOSHI, auf dessen Karte heute verschiedenste Sushi- und Sashimi-Variationen stehen. Doch nicht nur Sushi kann man hier vorzüglich speisen: Der interessierte Feinschmecker sollte sich auch an den warmen Spezialitäten wie „Shabu Shabu“-Eintopf und knusprigem „Tempura“ oder Hauptspeisen wie dem „Maguro Tataki Steak“, einem leicht gegrillten Thunfischsteak im Sesammantel versuchen.

Zielstrebig und fleißig wie Toshi nun einmal ist, blieb es jedoch nicht bei einem Restaurant, sondern er eröffnete im Jahr 2013 noch eine zweite Dependance, das JAPATAPA nur wenige Straße von seinem Stammhaus entfernt. „Es gibt in Deutschland in einem japanischen Restaurant immer alles. Eine Riesenkarte. Das ist in Japan aber gar nicht so. Dort gibt es viele kleine Restaurants, die jeweils nur eine Spezialität haben. Aus diesem Grund konzentriere ich mich im TOSHI auch auf Sushi und Sashimi. Im JAPATAPA dagegen habe ich mehrere japanische Kleinigkeiten und frittierte Sachen. Hier kommt wie es in Japan üblich ist alles auf den Tisch und alle essen davon.“ Alles probieren – das sollte der Gast auch, denn die Auswahl ist bei Gerichten wie „Iberico Gyoza“, kleinen Teigtaschen mit Soja-Essig-Soße, „Takoyaki“, gebratenen Teigkugeln mit Oktopus oder „Butakakuni“, gekochtem Schweinebauch in Sojabrühe nur allzu verlockend.

Doch in Toshi´s Restaurants ist nicht nur für den Hungrigen gesorgt, sondern auch der Durstige kommt in hochprozentigem und hochwertigem Maße auf seine Kosten. Zum einen kann man sich hier an Sake versuchen, die man – besonders Reiswein-Anfängern zu empfehlen – im JAPATAPA unter fachkundiger Anleitung des Personals verkosten kann. Wer Sake bei dem Besuch eines traditionellen japanischen Restaurants bereits erwartet hatte, der wird allerdings von der ausgesprochen großen und wohl ausgewählten Weinkarte mit einer beträchtlichen Anzahl deutscher Weine überrascht sein. Wer Toshi persönlich kennt, den wundert diese Weinaffinität jedoch nicht, denn der Japaner ist nicht nur ein großer Liebhaber, sondern auch ein echter Kenner auf dem Gebiet der Trauben. „Damals in Japan habe ich nicht getrunken. Hier in Deutschland habe ich immer Lust zu trinken. Wein ist hier so gut und es gibt eine sehr schöne Trinkkultur. Ich habe sehr viel gelernt und probiert.“

Trotz seines Erfolges ist Toshi Kobatake stets höflich, bescheiden und zuvorkommend und auch die Tatsache, dass er jeden Tag in seinen beiden Restaurants kocht – mittags im JAPATAPA und abends im TOSHI – erklären den Erfolg und die nicht nachlassende Qualität seiner Lokale. Familienbewusst wie er ist, hat Toshi sogar das beliebte Konzept des TOSHI an seine in Japan lebende Schwester weitergegeben, die unter Anleitung ihres „deutschen Bruders“ in Osaka nun auch ein Restaurant führt – man kann also schon beinahe von einem kleinen, kulinarischen Imperium sprechen.

Toshi will und wollte eben schon immer mehr. Und hat dabei Erfolg. Am Ende unseres Gesprächs angekommen, löffelt der sympathische Mann seine Nudelsuppe aus und nimmt noch einen letzten Schluck Wasser. Doch später zum Feierabend wird er sich bestimmt noch ein Glas Wein gönnen. Und zwar einen richtig Guten aus Deutschland.

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