Habt ihr euch schon einmal gefragt, wie wohl euer ganz eigener Wein schmecken würde? André Macionga hat sich diese Frage vor knapp sieben Jahren gestellt. Die Antwort darauf zu finden, lässt ihn bis heute nicht los. Namhafte Weinexperten, wie Tim Raue, nahmen ihn mit auf die spannende Reise in die aromatische Welt der Spitzenweine. Und so entdeckte André Macionga das Cuvéetieren für sich. Was zunächst als Leidenschaft begann, wurde bald zum intensiven Studium und schließlich zu der André Macionga Cuvée GmbH. Wir waren dabei als der Sommelier des Jahres 2013 seine erste eigene Kollektion präsentierte.

Abends ein Gläschen Wein zu genießen – für viele bedeutet dies Entspannung, Geselligkeit, Feierabend. Für André Macionga ist ein Wein so viel mehr. Ein Glas voller Aromen, voller Geschichten, voller Geschmäcker und individueller Gerüche, die sich mit jeder Stunde in einem anderen Licht zeigen. Für André Macingoa ist Wein ein Erlebnis. Eines, das vielseitig, vielschichtig ist und niemals an Spannung verliert. Um möglichst viele dieser Geschichten erzählen zu können, stellt der bloße Genuss den Sommelier nicht zufrieden. Nein, er möchte in die unzähligen Geschmackswelten des Weins eintauchen. Eine Technik, die ihm genau dies ermöglicht, ist das sogenannte Cuvéetieren.

Cuvéetieren ist eine Technik der Weinproduktion, bei der bereits gereifte Weine verschnitten werden – soweit die Theorie. In der Praxis könnt ihr euch die Herstellung einer Cuvée etwa so vorstellen: Ein Sommelier sucht sich Weingüter aus, deren Wein er für seine Mischung verwenden kann. Zusammen mit dem Winzer höchstpersönlich werden anschließend alle möglichen Weine verkostet um bereits erste Vorstellungen eines sensorischen Geschmacksbildes des Endergebnisses entwickeln zu können. Erfahrung ist hierbei das höchste Gut – und davon hat André Macionga inzwischen jede Menge gesammelt. Was ihn am Cuvéetieren fasziniert?

Das Cuvéetieren ermöglicht es, Aromen, Körper und Mundgefühl, Frucht und Säure sowie die Ausgewogenheit des Abgangs in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen

Für seine Cuvées arbeitet André Macionga mit vier Weingütern zusammen. Einer seiner Partner der ersten Stunde ist das Weingut Horst Sauer im fränkischen Escherndorf – eines der meistprämierten Weingüter Deutschlands. Aus dieser Zusammenarbeit entstand eine Kreation, die sowohl in André Maciongas Team als auch beim Publikum der Degustation der Kollektion einen bleibenden Eindruck hinterließ: „Es ist wie es ist“. Der komplexe und doch raffinierte Weißwein besticht mit intensiver Frucht und ausgewogener Säure, die gleichzeitig herrlich unkompliziert und erwartungsvoll vielschichtig anmutet.

Ebenso ein Highlight der Verköstigung ist „Kamanima“, eine Kreation, die André Macionga zusammen mit dem Weingut Markus Schneider kreierte. Der Pfälzer zählt nicht nur zu den bekanntesten sondern für den Sommelier auch zu den besten Winzern Deutschlands. Die auf 507 Flaschen limitierte Cuvée ist für André Macionga selbst „ein Wein, vermischt aus den besten Fässern des Gutes, der zackige und spitzige Töne von sich gibt und dennoch enorm rund ist“. Wie ihr euch das geschmacklich vorstellen könnt? Fragt am besten bei Tim Raue nach – der Spitzenkoch serviert den Rotwein exklusiv in seinem Restaurant in Berlin.

Der nächste Stopp auf unserer Weinreise unter der Leitung von André Macionga führt uns nach Rheinland-Pfalz ins Weingut Klostermühle Odernheim. Auf dem Montfort, einem der weltweit steilsten Weinberge, gedeihen schon seit über 1000 Jahren Trauben für exquisite Weine, aus denen André Macionga für seine aktuelle Kollektion zwei Cuvées kreierte. Der erste trägt den Namen „Komplex19“, ein Rotwein, den der Sommelier als komplexe Melodie, als filigranen und doch intensiven Tropfen zu beschreiben vermag. Der Wein ist und soll ein Rätsel bleiben, dessen Lösung Schluck für Schluck an Spannung gewinnt. Der zweite Wein, den André Macionga zusammen mit der Klostermühle Odernheim cuvéetierte, nennt sich „Nymphe vom Montfort“ – eine Hommage an den ehrwürdigen Weinberg Montfort.

Das vierte Weingut im Bunde der Welt der André Macionga Cuvées ist Neverland aus Rheinhessen. Unter der Leitung von Sebastian, Julia und Marcel Class steht das Weingut für eine Symbiose aus Tradition und Moderne. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit trägt einen vielsagenden Namen: „Unartig“. Für André Macionga könnte der Titel nicht passender sein: „Diese Cuvée zeigt sich in zahlreichen Facetten. Unartig ist ein Unikat. Friol, keck und selbstsicher“. Im Glas beeindruckt der Weißwein schon auf den ersten Blick aufgrund seiner intensiven grünlich, gelblichen Farbe. Auf den ersten Schluck gibt er sich zunächst etwas zurückhaltend. Doch das vielschichtige Aroma lässt keine Zweifel zu: dieser Geschmack ist einer, der ganz genau unter die Lupe genommen werden möchte. Na, wenn das so ist – gerne!

Nach der Degustation waren wir überwältigt, wie viel Geschmack in einem Glas Wein stecken kann. Die leidenschaftlich erzählten Geschichten vom Zusammentreffen mit den Weingütern bis hin zum Experimentieren mit den Weinen und schließlich dem Cuvéetieren der Endkreation machten das Erlebnis um den Wein perfekt. Die allesamt limitierten Weine der ersten Kollektion von André Macionga sind wahrlich keine, die man eben mal so an der Isar trinkt. Doch sucht ihr nach einem Wein für einen besonderen Anlass, einem, der zeigt, wie viel Wein in einer Flasche stecken kann, so seid ihr bei André Macionga an der richtigen Adresse.

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