Du denkst, in Japan essen alle Menschen den ganzen Tag lang nur Sushi, Sashimi und Ramensuppen? Oh nein! Hier comes the Takenori in Friedrichshain, wo ihr endlich essen könnt, was in Japan an jeder Straßenecke in großen Töpfen blubbert: japanisches Curry! Juhu!

Heute habe ich die Ehre, euch was richtig, richtig Cooles vorzustellen, wie ich finde. Man kennt sie ja: diese Asiaten an der Ecke, die da immer schon waren, meistens sind sie leer, es gibt natürlich California Roll mit Frischkäse und Gurkenmaki und du denkst nicht mal im Ansatz darüber nach, mal reinzugehen. Warum? Das weißt du auch nicht so genau, du hast aber einfach irgendwie so ein Gefühl.

 

Was also soll nun werden, aus dem kleinen Asialaden bei dir im Kiez an der Ecke?

Du kommst nicht, deine Nachbarn auch nicht, so bleibt er also leer und geht pleite. Oder aber er hat Glück und Tomoko Igami kommt mit ihrem Team vorbei und klopft mal an!

 

Tomoko und ihre Partner suchen gezielt asiatische, meist japanische Restaurants in Berlin, die nicht so richtig gut laufen. Das kann viele verschiedene Gründe haben. Als einfachster zu nennen wäre hier mal der Überfluss an asiatischen kleinen Läden in unserem großen Berlin.

Anstatt jetzt aber schließen zu müssen, weil es vielleicht einfach noch drei andere kleine Asiaten im selben Kiez gibt, versucht Tomoko mit ihrer Firma „IgamiLab“ ein neues Konzept für das Restaurant zu entwickeln.

 

So lief das auch bei dem kleinen asiatischen Restaurant, das vorher im Takenori beheimatet war. IgamiLab kreiert ein Konzept und stellt Kontakt zu japanischen Küchenchefs her, die dann die Rezepte mitentwickeln und die Mitarbeiter einlernen, sodass das neue Konzept auch richtig gut funkioniert. Sobald alles in trockenen Tüchern ist, zieht Tomoko sich wieder zurück und überlässt das Geschäft den ursprünglichen Inhabern.

Ich treffe Tomoko an einem verregneten Abend und wir unterhalten uns stundenlang. Ich bin total begeistert von ihrem Job und habe natürlich tausende Fragen.

Tomoko erklärt mir, wie das Takenori entstand: es sollte japanisches Curry (in Japan auch カレー, was in Silbenform Ka und Re bedeutet, also nur vom englischen ausgeliehen ist, wie die Japaner das oft so machen). Das Problem aber: die bekannte Kette, die in Japan an jeder Ecke zu finden ist, kocht ihre Currys mit wahnsinnig vielen Zusatzstoffen und viel viel viel Glutamat. Das sind die Japaner gewohnt und lieben das Curry genau wegen seines speziellen Geschmacks (Tomoko und ich nennen diesen schmunzelnd mal chemical, wenn auch lecker).

 

Tomoko wusste aber, dass in Berlin ein chemikalisches Curry vielleicht nicht so richtig in den Lifestyle von Veganismus und gesunder Ernährung passt, der ja gerade immer angesagter wird. Das Takenori Curry sollte also eines ohne Chemie sein. Ein japanischer Chefkoch lieferte dann das Rezept, nach welchem im Takenori jetzt gekocht wird: es ist auf Shitake-Basis und schmeckt wirklich lecker. Vielleicht ist es nicht ganz so dickflüssig, wie das japanische Original, dafür aber eben auch viel gesünder.

 

Im Takenori sind übrigens alle Mitarbeiterinnen aus Japan. Das merkt man schon, wenn man die Ladentür öffnet: „Irasshaimase!“, ruft jeder einzelne Mitarbeiter, was so viel bedeutet wie: Herzlich willkommen! Schön, dass du da bist. Wir freuen uns über dich!

Ich liebe das.

 

Der Raum an sich ist relativ holzlastig, was schön ist. Sehr langgestreckt und man kann seine Privatssphäre haben. Außerdem ist in der Mitte des Raumes die schöne große offene Küche zu sehen, in der alles von der japanischen Küchenchefin zubereitet wird. Unter anderem auch die unglaublich köstlichen Korokke. Das sind eigentlich sowas wie Kroketten, in Japan aber mit Panko (also japanischen Semmelbröseln) paniert und dann frittiert. Im Takenori sind diese, japanuntypisch, vegetarisch und ein unglaublicher Gaumenschmaus. Sie sind außen super knusprig, innen dann ganz weich, cremig schmelzend mit kleinen Shitakepilzen – mhhhh! Mein absoluter Favourit unter den Toppings.

 

Mit dem Stichwort Toppings wären wir dann auch schon bei der Karte im Takenori. Auch bei der hat man sich nämlich einiges gedacht. Es sollte einfach sein, hier glücklich zu werden, egal ob man Fleisch isst oder Veganer ist, egal ob man eher so der weiße Reis- oder der Vollkorn-Typ ist und auch egal, ob gerade das neue Gehalt schon auf dem Konto ist oder man den letzten Eingang auf seinem Girokonto nur noch in weiter Ferne erkennen kann.

 

Deswegen ist die Karte hier ein Zettel zum Ankreuzen. Man kann aus allen möglichen verschiedenen Zutaten und Kombinationen wählen und dadurch genau das Curry zusammenstellen, das man gerade möchte (oder bezahlen kann ;)).

 

Da gibt es zum Beispiel Curry, wie ich es beschrieben habe, also soßig, sämig, warm und comfortig oder es gibt dry curry, welches konzentrierter und nicht so soßig ist. Dann gibt es verschiedenste Arten von Reis, also gelben, weißen, vollkornigen – alles mit Edamame drin oder ohne. Oben drauf legst du gebratenes Gemüse, ein Onsen-Ei (im heißen Wasser –  normalerweise einer japanischen Quelle – gegart), Korokke, Sukiyaki oder Kimchi und dann kriegst du noch ein bisschen eingelegtes Gemüse dazu und los geht die Löffelei (ja – ACHTUNG: NICHT mit Stäbchen essen – man darf löffeln).

Unglaublich lecker.

 

Zum Nachtisch essen wir Dorayaki, das sind ganz ganz fluffige Pfannkuchen mit einer Füllung drin. Also eigentlich ein Pfannkuchen-Sandwich, wenn man so will. Wir wählen zwei verschiedene Varianten: eines gefüllt mit Eis aus schwarzem Tee und eines mit Pudding (das macht man auch super gerne in Japan) und Matcha Creme. Wir sind beide begeistert – L E C K E R!

Zum Abschied kommt noch die Küchenchefin und der Inhaber vorbei und begrüßen uns ganz freundlich. Die Küchenchefin erzählt mir ganz stolz  von ihren meisterlichen (und das sind sie wohl!) Korokke und ich schwärme von den fantastischen Dorayaki.

Achje, wie schön ist das denn. Sowas berührt mich immer. Diese warmherzigen Menschen, die so viel Liebe mit einem teilen und dann teilt man Liebe zurück und die Welt ist wunderschön, rosa und wolkig fliegen wir nach Hause.

Info

Takenori

Website

Simon-Dach-Straße 2
10245 Berlin

Öffnungszeiten:
Mo geschlossen
Di bis So 12:00 – 22:00 Uhr

Simon-Dach-Straße 2, Berlin, Deutschland

#berlin#curry#japanisch#japanische küche